Bewusstsein ist nicht gleich Bewusstsein

Eine, wie ich finde, sehr wichtige und auch notwendige Differenzierung.

„Das Geistige und das Materielle sind nur verschiedene Erscheinungsformen einer einzigen, umfassenden Wirklichkeit.“

Baruch de Spinoza

Unser Alltagsbewusstsein ist nicht das Ende der Fahnenstange, wie wir es beispielsweise im Zustand des Flow erfahren können. Dieses Bewusstsein vermittelt uns eine intersubjektiv übereinstimmende Alltagsrealität. Ihm liegt ein Modell der Wirklichkeit zugrunde, das mit ganz spezifischen Merkmalen das eigene Erleben der Welt organisiert.

Die fünf Kriterien des Alltagsbewusstseins und der damit verknüpften Wirklichkeit in westlichen Kulturen werden wie folgt beschrieben:

  1. Der Raum ist dreidimensional. Alles, was wirklich ist, lässt sich anhand der Dimensionen von Länge, Breite und Höhe beschreiben.
  2. Die Zeit hat einen linearen Verlauf. Sie fließt unumkehrbar von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft.
  3. Subjekt und Objekt sind grundsätzlich voneinander getrennt. Wir erleben uns als eigenständige Persönlichkeit und sind mit belebten und unbelebten Objekten nicht verbunden.
  4. Geschehnisse sind kausal verursacht. Wir erklären sie uns auf rationale und plausible Weise, indem wir uns auf anerkannte Regeln und Naturgesetze berufen.
  5. Wir verfügen über eine konsistente Ich-Organisation. Wir erfahren uns als Individuum, das sein Fühlen, Denken und Handeln selbstbestimmt steuern und regulieren kann.

Wenn von erweiterten Bewusstsein die Rede ist, dann geht es nicht nur um die Erforschung und Beschreibung verschiedener Formen des Wahrnehmens und Erlebens, sondern auch um den Einfluss des Bewusstseins auf die Einstellung und Haltung des Menschen zum Leben und zu sich selbst.

Die veränderten oder auch höheren Bewusstseinszustände „zeichnen sich dadurch aus, dass grundlegende Annahmen der vertrauten Wirklichkeitskonstruktion im Sinne des Alltagsbewusstseins in Frage gestellt werden“. Die fünf Kriterien der Alltagswirklichkeit verlieren ihre uneingeschränkte Gültigkeit.

Verändertes Bewusstsein ist gekennzeichnet durch das Erleben von Unmittelbarkeit, Konzeptfreiheit und Erwartungslosigkeit, sowie Erfahrungen von Einheit und Nondualität.

Das erweiterte Bewusstsein lässt sich wohl so beschrieben:

  1. Der Raum ist offen und beweglich in der Zeit. Alles, was wirklich ist, lässt sich nur dann beschreiben, wenn man den Raum als gestaltbar ansieht.
  2. Wir können in der Zeit unterschiedliche Positionen einnehmen. Zeit fließt und folgt der Ausrichtung und Aufmerksamkeit.
  3. Es gibt weder Subjekt noch Objekt, Dinge sind nur differenziert, nicht aber von einander getrennt. So existiere ich nicht aus mir selbst heraus, bin weder eigenständig noch getrennt, sondern ich bin mit allem verbunden, was ist.
  4. Geschehnisse sind korrelativ verursacht. Sie lassen sich nur beschreiben, aber nicht durch Gesetzmäßigkeiten und Regeln definieren, sie sind ein stets offener Prozess.
  5. Meine Ich-Organisation ist ein flexibler Prozess. Es ist ein Raum, den ich nicht gestalte, sondern in dem ich mich durch mein Fühlen, mein Denken und mein Handeln frei bewege. Ich habe immer die Wahl, wie ich bin.

Fazit: Das Thema Bewusstsein beschreibt sehr gut das Verhältnis zwischen klassischer Physik und Quantenphysik. Die fundamentalen Fragen, der die Quantenphysik nachgeht, sind identisch mit den Themen des erweiterten Bewusstseins.

Die „Aufgabe“ ist es also, das Alltagsbewusstsein zu übersteigen. Das ist die wahre Natur des Menschen, die nicht gefunden werden müsste oder könnte, sie braucht nur gelebt zu werde.