Beziehungen

Die oft unterschätzten oder vernachlässigten, manchmal auch vollkommen übersehenen oder ignorierten Gestaltungselemente des Lebens. Ein Flusspferd weidet die Pflanzen, die es frisst, immer nur soweit ab, dass die Pflanzen wieder nachwachsen können und weiter als Nahrungsmittel zur Verfügung stehen. Was für uns Menschen im Reich der Tiere manchmal wie ein Hauen und Stechen und nach dem Überleben des Fittesten aussieht, ist es so gar nicht. Es ist, als würde eine unsichtbare Hand die Natur so ordnen, dass immer ein ausgewogenes, wenn auch nie ein vollkommen stabiles Gleichgewicht der Arten erhalten bleibt.

Am Yellowstone River entstand der erste Nationalpark der Welt. Der Mensch wollte sich hier eine perfekte und völlig natürliche Wildnis kreieren. Das funktionierte nur leider nicht. Schnell stellte sich heraus, dass die Natur sich nicht nach menschlichen Vorstellungen einrichten ließ. Was man auch versuchte, es misslang. Es war eine Brandkatastrophe, die der Mensch nicht in den Griff bekam, wohl aber die Natur selbst. Durch Regen. Irgendwie schienen die Verantwortlichen begriffen zu haben, das sie die Natur besser der Natur überließen. Aber 1995 griff der Mensch noch einmal ein indem er 35 Wölfe ansiedelte, sich dann aber heraushielten. Und die schafften, was dem Menschen nicht gelang: Sie brachten die Natur wieder ins Gleichgewicht, ein Gleichgewicht, das der Mensch schon wieder zu stören beginnt, durch die erneute Jagd auf Wölfe und Bären.

Man könnte es so ausdrücken: Wir Menschen scheinen – um es vorsichtig auszudrücken – nicht in der Lage zu sein, ein notwendiges natürliches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, das wir bräuchten, um letztlich das eigene Überleben zu sichern. Wir sehen einfach die Notwendigkeit (noch) nicht, uns anders zu verhalten, als wir es üblicherweise tun. Wie aber müssten wir uns verhalten? Woran könnten wir uns orientieren? Dabei wäre es vielleicht einfacher als wir glauben. Was wäre wenn wir ein Beispiel wie den Nationalpark am Yellowstone River nehmen würden und die darin herrschenden Beziehungen der Tiere und der Pflanzen untereinander einmal ganz genau betrachteten – um davon zu lernen, zu lernen, wie man Leben am Leben erhält und es nicht wieder zerstört – ob absichtlich oder unabsichtlich.

Was wir ohne Weiteres feststellen können ist, dass Beziehungen der Motor eines jeden Systems sind. Es scheint eine ideale und auch optimale Form einer Beziehung für jedes System zu geben, die jedoch nur selten wirklich realisiert zu werden scheint. Einfach deshalb, weil jeder der an der Beziehung beteiligten Personen diese nach seinen Vorstellungen zu organisieren sucht, ohne sich aber bewusst zu sein, dass sie oder er dabei die Beziehung fördert – oder sabotiert, was mehrheitlich der Fall zu sein scheint, jedenfalls ist das meine Erfahrung.

Es gibt also einen idealen, optimalen Zustand innerhalb eines Systems, der durch die Gestaltung der Beziehungen der einzelnen Elemente zueinander zu erreichen wäre. Dabei geht es nicht nur um die Beziehungen der Personen zueinander sondern auch um die Beziehung zu den Räumen, dem Inventar, zu der jeweiligen Kultur, zum Verhalten, … und, und, und … . Damit stellt sich die Frage, wie ich eine Beziehung klären kann. Entweder ich sehe mir jede einzeln an und entscheide darüber immer wieder neu, von jeder Situation zur nächsten Situation. Das mache ich, wenn ich mir der Ordnungskraft von Beziehungen nicht bewusst bin.

Oder ich fertige mir ein Stylesheet, das universelle Gültigkeit für alle Beziehungen hat, egal ob zu Personen, zu Tieren, zu Pflanzen oder zu Möbeln wie Räumen.