Beziehungsarbeit

Ja, Beziehung ist Arbeit, konsequente und beharrliche Arbeit, wenn es auch keine schwere ist, sondern eher eine, die einem so richtig Freude bereiten kann. Viele Menschen beziehen Beziehung ja nur auf die Personen, mit denen sie etwas Persönliches verbindet, Lebenspartner, Freunde und Kinder oder Eltern beispielsweise. Doch ich denke, dass das zu kurz gegriffen ist.

Ich bin mit allem in Beziehung, was mir in meinem Leben begegnet. Und die entscheidet, wie ich dem begegne, wie ich mich also in Beziehung setze. Es liegt demnach nicht an mir, ob ich mich zu etwas in Beziehung setze, sondern alleine wie. Erfreulicherweise hat Beziehung ja zwei Enden, ich habe also immer ein Mitspracherecht.

Eine Beziehung besteht auch zwischen mir und dem Raum und den darin befindlichen Möbeln, in dem ich mich aufhalte. Doch ich befinde mich nicht nur darin, sondern empfinde auch etwas; der Raum ‚spricht‘ mit mir. Natürlich ist er nicht lebendig, aber derjenige, der ihn gestaltet hat, spricht sozusagen noch immer mit mir.

Was genau da spricht, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht gibt es ja keine Sessel in unserem Wohnzimmer, wenn es kein Sesselbewusstsein gibt. Vielleicht ist Bewusstsein überhaupt die Bedingung, nicht nur dafür, dass ich etwas wahrnehme, sondern dass es tatsächlich auch existiert. Wenn ich so manche Theorien der Quantenphysiker anschaue, kommt es mir gerade so vor.

Aber vielleicht kommt es darauf gar nicht an. Entscheidend ist, dass ich nur das wahrnehme, womit ich in Beziehung getreten bin, was also mit mir spricht. Über den Satz von Rupert Spira „Ein Objekt ist die Gestalt, die das Bewusstsein annimmt, so, wie eine Welle die Gestalt ist, die vom Wasser angenommen wird.“ kann man unterschiedlichster Meinung sein. Aber ich werde vielleicht nie wissen, ob er stimmt oder nicht, wenn auch vieles dafür spricht. Der Sessel existiert ja auch nur in meinem Denken, wo anders kann er nicht existieren.

Doch was ist dann da, wenn kein Sessel-Bewusstsein da ist? Die Frage würde ich wirklich gerne mal mit Einstein erörtern. Auf jeden Fall werde ich darüber reflektieren. Sicher ist, es ist kein ‚einfach so’ erkennbarer Sessel da. ‚Sessel’ ist meine Interpretation. So wenig, wie ich aus mir selbst heraus existiere, so wenig kann das ein Sessel. Jedenfalls nehme ich das an. Was wirklich da ist, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich einfach nur undifferenzierte Energie. So in der Art.

Eines der Dinge, die mir sehr am Herzen liegen, ist ja mein Körper. Und da habe ich schon seit geraumer Zeit den Verdacht, dass der sich sehr an meinem Denken und den daraus resultierenden Gedanken orientiert. Letztlich würde ich sagen, ich (was immer das ist) habe ja auch eine Beziehung zu meinem Körper. Nur das vergesse ich immer wieder, denn auch diese Beziehung will gestaltet sein, und zwar dadurch, dass ich mir ihrer bewusst bin.

Doch wer hat nun diese Beziehung gestaltet, also von meiner Seite aus gesehen? Ein ‚Ich‘ gibt es ja nicht wirklich, nur in meiner Vorstellung. Letztlich kommt da nur Bewusstsein als Beziehungshalter in Frage. Beziehung und Bewusstsein tanzen öfters miteinander, als man meinen könnte. Doch alleine, jeder für sich, wird es kein Tanz, sondern nur ein Herumgestolper.

Doch eine Frage bleibt, nämlich die Frage, was zuerst kommt: Beziehung oder das Bewusstsein? Ich denke mittlerweile, die beiden tanzen wirklich, heißt, sie tanzen miteinander. Nur muss man beide wahrnehmen und nicht nur einen Aspekt davon. Und wie so oft komme ich auch hier wieder bei einem Thema an, das mich in letzter Zeit regelrecht verfolgt: Ich muss mein Ich vergessen.

Was jetzt nicht heißt, mir dessen nur nicht bewusst zu sein, denn das mache ich oft, dass ich etwas sage, mir  aber der Ich-Haftigkeit dessen, was ich sage, gleichwohl überhaupt nicht bewusst bin. Ein Phänomen, das ich beim morgendlichen Anziehen kennen gelernt habe. Seit einiger Zeit ziehe ich mich nämlich im Stehen an, um meine Propriozeption zu trainieren. Und da ist mir aufgefallen, dass ich es nicht gut hinbekomme, wenn ich es willentlich bewusst tue, es hingegen wesentlich besser klappt, wenn ich mir dessen, was ich tue, zwar bewusst bin, aber gerade nicht bewusst sein will.

Was mich weiter zu der Überlegung bringt, dass sich ganz offensichtlich meine Begriffswelt zu verändern beginnt. Bewusstsein ist etwas ganz anderes, wenn sich mein Ich damit beschäftigt. Das Ich verändert alles, auch meine Beziehungen.