Das Leben soll ein Spiel sein?

Es gibt ja Philosophen wie etwa Paul Watzlawick, Alan Watts oder Ronald D. Laing, um nur einige zu nennen, die allen Ernstes behaupten, die Menschen spielten ein Spiel, würden es aber selbst nicht merken. Kann das wirklich sein?

Als ich heute früh aufgewacht bin, ging mir genau diese Frage durch den Kopf. Und die Antwort war ein eideutiges „JA!!“. Zu der Frage kam ich wahrscheinlich, weil ich mich in den letzten Tagen mit der Überlegung beschäftigt habe, warum wir Menschen so anders sind, wenn wir in einem Flow-Zustand sind. Oder in einer Aufstellung, wo wir auch vollkommen anders sind.

Damit stellt sich doch die Frage, was denn jetzt normal ist: Das scheinbar Normale oder das Besondere, das Ungewöhnliche? Ich bin der Ansicht, wir sollten wirklich dazu übergehen, das Normale als das Spiel und das vermeintlich Besondere als den eigentlichen Normalzustand anzusehen.

Warum das so ist, das weiß vielleicht niemand. Auch bei David Bohm und Jiddu Krishnamurti habe ich in deren Gespräch darüber keine Erklärung dafür gefunden, nur die Feststellung, dass es eben schon lange so ist, ein paar tausend Jahre lang. Sie stellen nur fest, dass es eben so ist. Und natürlich, wie man da rauskommt. Wie Watzlawick in seiner ‚Anleitung zum Unglücklichsein‘. Vielleicht ist der Grund nicht so ohne Weiteres feststellbar, keine leicht verständliche Identifikation möglich, nur die (Gedanken-) Formen lassen sich ganz gut beschreiben, mit denen es sich zeigt.

Womit man natürlich wissen kann, wie man mit diesem Spiel aufhört, vorausgesetzt natürlich, man ist sich überhaupt bewusst, dass man es spielt, findet das jedoch nicht so wirklich prickelnd. Denn wie sagt doch Laing? ‚Sie spielen ein Spiel. Sie spielen damit, kein Spiel zu spielen. Zeige ich ihnen, daß ich sie spielen sehe, dann breche ich die Regeln, und sie werden mich bestrafen.’ So ist es leider. Dabei bräuchte man nur den Gedanken ernst zu nehmen, dass man vielleicht doch ein Spiel spielt und das, was man so sagt, einmal ganz genau untersuchen, denn dann würde es einem möglicherweise sehr, sehr schnell klar, dass es tatsächlich so ist.

Meine obige Anmerkung, dass niemand so richtig erklärt, warum wir dieses Spiel spielen, ist vielleicht nicht ganz richtig. Es hängt eventuell mit der Entwicklung unserer technischen Kompetenzen zusammen. Ds bedeutet – aus sicht der Physik – mechanische Gesetzmäßigkeiten denken. Dass wir damit solchen Erfolg hatten, hat uns Menschen wohl dazu verleitet, nicht nur die Technik auf diese Weise zu sehen. Und so hat es nicht nur Einzug in unsere Sprache, sondern auch in unser Denken gehalten und das nachhaltig geprägt

Seit wir jedoch wissen, dass die traditionelle Physik nur die halbe Wahrheit ist, beginnen ja manche damit, ihr Denken auszumisten. Vielleicht ist das die Chance, mit diesem blöden Spiel endlich aufzuhören. Ein echter Fall von Sekundärnutzen, der eigentlich der primäre Nutzen wäre. Ich jedenfalls glaube, dass uns das gelingen kann.