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Tschüß Illusion!

Illusionen sind so lange wirklich, wie man an sie glaubt. Dann existieren sie für einen selbst ganz konkret. Es gibt jede Menge Beispiele, an denen man das sehr gut beschreiben kann.

Das lässt sich etwa an dem Thema ‚Macht‘ darstellen. Ich persönlich habe ‚Macht‘ noch nie irgendwo herumstehen oder -laufen sehen, auch nicht, als ich noch an ‚Macht‘ glaubte. Daraus ziehe ich den – möglicherweise verwirrend – Schluss, dass es ‚Macht‘ überhaupt nicht gibt. Nur was ist es dann? Jedenfalls keine Fiktion, nichts Eingebildetes, sondern eine Illusion.

Es ist demnach etwas, das nur deswegen existent ist, weil man glaubt, dass es da wäre. Das unterscheidet die Illusion von der Fiktion. Macht existiert ganz real für den, der an sie glaubt. Und er wird alle seine weiteren Überlegungen und vor allem seine Überzeugungen dem entsprechend organisieren. Die Illusion der ‚Macht’ ist ein fester Bestandteil seines Weltbildes geworden, der sich überall wiederfindet.

Selbst wenn es eine Illusion ist, für ihn ist ‚Macht’ real. Erst einmal. Es sei denn, er erkennt, dass ‚Macht’ eben eine Illusion ist, ein gedankliches Konstrukt. Dann kann er damit anfangen, ‚Macht’ aus allen seinen Denkstrukturen wieder heraus zu bekommen. Ein Problem für viele, die glauben, allein mit dieser Erkenntnis wäre ihr Denken in Ordnung, nur weil sie es grundsätzlich begriffen haben. Wieder so eine vertrackte Illusion.

Macht gibt es also nicht wirklich, vielmehr wird damit versucht, eine spezifische Beziehungsdynamik zu beschreiben. Reduziere ich eine Beziehungsdynamik auf den Begriff ‚Macht’, negiere ich nicht nur die Komplexität der Beziehung, sondern kann dann auch die Lösung nicht sehen, die – würde ich den Prozess und nicht nur eine fixierte Ansicht darüber wahrnehmen können – vielleicht offensichtlich ist. Und richtig übel wird es dann, wenn ich dem Versuch einer situativen Beschreibung den Status der Allgemeingültigkeit gebe.

Beschreibe ich etwas, dann kann ich immer nur die Bewegungen als solche darzustellen versuchen. Das bedeutet, dass es nie zweimal eine identische Beschreibung geben kann, außer, ich beschreibe die Bewegung eines Roboters. Verwende ich jedoch statische Begriffe für das Verhalten einer Person, dann mache ich sie in meiner Vorstellung zum Roboter. Was sie aber nicht ist.

So lange man an eine Illusion glaubt, ist eine Lösung auch nur auf einer illusionären Ebene möglich. Auf eine Illusion kann man logischerweise nur wieder mit einer Illusion antworten. Ein destruktiver Teufelskreis.

Letztlich es ist einfach, mit Illusionen umzugehen. Man muss ihrer habhaft werden, man braucht nur zu versuchen, sie wirklich sehen zu können. Und wenn man sie nicht sehen kann, sucht man ganz einfach den Prozess wahrzunehmen, der dahinter steckt.

Eine der mächtigsten (!) Illusionen ist die Konvention. Wer ihr folgt und sich an ‚ihre‘ Regeln hält, der muss sich darüber im Klaren sein, was das bedeutet. Wie sagt doch Scott Speck, meines Erachtens vollkommen richtig?

„Jede gute Gastgeberin kennt diese Regeln. Sie mögen den reibungslosen Ablauf einer Dinnerparty ermöglichen, aber mehr auch nicht. Die Kommunikation in der Pseudogemeinschaft läuft über Verallgemeinerungen ab. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv.“

Daher sollte man sich zügigsten dranmachen und dieser Illusion ihre Macht nehmen. Das geht ganz einfach, indem man erkennt, was es ist: Eine Illusion, geboren aus Enttäuschung wie der Sehnsucht nach Nähe und Begegnung.