Der Kosmos, die Welt und ich

Wer meine Texte aufmerksam liest, wird bemerkt haben, dass ich es zu vermeiden suche, über andere zu schreiben, denn en anderen kenne ich nicht. In der Beziehung erlaube ich mir egoistisch zu sein. Ich schreibe möglichst nur noch über mich und von mir. Das, was mich ausmacht, was ich denke und was ich erlebe, darüber kann ich konkret schreiben. Über andere schreibe ich nicht, ich lerne durch sie nur zu sehen, wie ich auch sein könnte, denn ein Mensch ist nun einmal ein Mensch. Doch die Struktur kann ich nur in mir selbst erkennen, nicht im anderen. Über den kann ich nur urteilen, und das will ich nicht.

Dabei habe ich immer den einen Gedanken im Hinterkopf, dass ich mich zwar aus Billionen von Zellen und Bakterien zusammensetzte, aber nach dem Verschmelzen von Samen und Eizelle letztlich aus einer einzelnen Zelle durch immer weitere Differenzierung immer weiter expandiert habe. So ähnlich ist ja auch das Universum entstanden. Die Forscher sagen uns jedenfalls, dass es ganz offensichtlich so oder ähnlich angefangen haben muss. Nur besteht zwischen dem Universum und mir ein Unterschied, denn das Universum hat sich nicht erst über eine Nabelschnur und später durch den Konsum von Milch und dann über die Aufnahme von Nahrungsmitteln entwickelt, es hatte eine andere Nahrung, nämlich Energie. Obwohl, die Nahrung, die ich zu mir nehme letztlich auch nichts anderes ist als Energie, nur in einer anderen Form.

Das Universum hat sich ähnlich einer kosmischen Idee im Sinne Platons aus einem singulären Zustand immer weiter und weiter differenziert. Genauso wie auch ich es getan habe. Das Universum und ich existieren nach dem identischen Prinzip. Differenzierung, Selbstorganisierung, Energieaufnahme und so weiter und so fort. Und so, wie in der Zelle No. 1 alles an Information vorhanden war, was notwendig war, damit letztlich ich entstehen konnte, war auch in dem singulären Zustand des Anfangs-Universums alles an Information enthalten, was es brauchte, dass das Universum entstehen konnte. Muss ja so sein, sonst wäre nichts daraus geworden. Das ist es aber. Wobei man sich hier fragen kann, ob, ähnlich wie bei dem Regal, das ich gerade gekauft habe, schon von Anfang an klar war, was hinterher herauskommen soll. Das denke ich nämlich nicht.

Ich denke also, dass das weder bei dem Kosmos noch bei mir klar war, wie sich das Ganze entwickelt. Also keine Vorherbestimmung, aber auch keine völlige Beliebigkeit. Eine Handvoll Axiome gab es schon, doch ob es auch ein konkretes Ziel gab, das denke ich eben nicht. Wer sich als Ursprung oder Schöpfer des Ganzen einen Gott vorstellt, der ganz klar regelt, was so passiert, der wird immer wieder ins Trudeln kommen, denn so ist das Universum nicht und ich auch nicht. Ich habe die Freiheit im Rahmen meiner Axiome zu sein, wie ich eben bin. Und das Universum auch. Keine Vorherbestimmung. Doch warum ich in meinem Job so war, wie ich eben war, und was mich dann dazu brachte, ganz anderes zu werden, das habe ich bis heute noch nicht wirklich begriffen, allenfalls ahne ich es.

Der Mensch als Spezies existierte ja nicht von Anbeginn an, er hat sich erst später herauskristallisiert oder entwickelt. War es Absicht, Intention oder Zufall? Was auch immer der Grund war, keine Ahnung. Darüber können wir nur spekulieren. Fakt ist, dass der Mensch das Universum immer mehr zu verstehen beginnt, weil er sich selbst immer besser zu verstehen lernt. Dank seines technischen Wissens hat er sich scheinbar über die Natur erhoben, jedoch nur scheinbar, denn ohne Natur könnte er überhaupt nicht existieren, er ist ganz einfach Natur. Genau das beginnen wir Menschen gerade zu verstehen, wobei die Frage ist, ob wir mit unseren Lösungsansätzen auf dem richtigen Weg sind. Das denke ich nämlich nicht, denn wir können die Natur nicht schützen, sondern wir können nur damit aufhören, sie zu beeinträchtigen.

Wir müssen das Universum und die Welt aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Einmal ganz grundsätzlich, mit den vorgegebenen Axiomen und Gesetzmäßigkeiten, die für alles Existierende gleichermaßen gelten und dann im nächsten Schritt das, was wir Menschen daraus machen und vor allem, wie ich zum einen mein Leben gestalte und wie sich das zum anderen in dem Gesamtsystem „Menschheit“ und dann im weiteren in dem System „Natur“ und „Welt (Erde)“ auswirkt, wofür ich die alleinige und völlige Verantwortung trage. Beide Perspektiven darf ich nur nicht argumentativ durcheinander bringen, sonst wird es ein gewaltiges Kuddelmuddel.