Dialog

David Bohm hat seine Gedanken zum Dialog wohl als Reaktion zu seinen eigenen Erkenntnissen als Quantenphysiker heraus geschrieben, nämlich dass dem modernen Menschen offenbar „Propriozeption“ (unsere Fähigkeit, auch mit geschlossenen Augen genau zu wissen, wo unsere Arme und Beine im Moment im Raum sind) im Bereich des Denkens fehlt und wir sie unbedingt dort einführen müssen.

Für die Idee des Dialogs sind Bohms Vorstellungen über eine implizite wie explizite Ordnung insofern interessant, als er annimmt, dass es unser Denken ist, das die ursprüngliche Ganzheit teilt. Wenn wir denken und strukturieren, Begriffe wählen, Teile und Trennungen erschaffen, Annahmen und Notwendigkeiten erfinden, fragmentieren wir die Welt, reissen wir etwas auseinander und versehen es mit Grenzen, das ursprünglich ganz ist.

Dass wir das tun, ist nicht das Problem, wir brauchen zur Verständigung untereinander ja fest definierte Begriffe, konsensuell entstandene Strukturen. Das Problem entsteht erst, wenn wir vergessen, dass wir das getan haben und zu glauben beginnen, dass wir es mit objektiven Realitäten zu tun haben, die unabhängig von unserem Denken existieren würden.

Und genau das ist der Sinn des Dialogs, etwas in Gedanken Getrenntes wieder zusammenfügen, jedoch ohne die Differenzierung aufzuheben. Das gelingt, wenn das darüber Stehende wieder gesehen wird. So, wie es bei einem Tango nicht um ‚ihn‘ oder ‚sie‘ geht, sondern beide dem Gemeinsamen, dem Tanz verpflichtet sind. Da spielt nicht die persönliche Identität die wesentlich Rolle, sondern der Tanz.

Genau so ist es auch im Dialog und so sollte es auch im Leben sein.