Die moderne Variante des Turmbau zu Babel

Nicht mehr die Sprache trennt uns Menschen voneinander, sondern das unterschiedliche Verständnis dessen, was ‚Welt‘ für uns überhaupt bedeutet. Ein eigentlich banaler Grund für die Zerrissenheit der Menschheit, denn was die Welt ist, kann man ja miteinander klären, wenn man das will. Statt sich dessen bewusst zu sein, meinen gleichwohl manche, nur sie alleine seien im Besitz der Wahrheit.

Statt dass wir endlich miteinander reden würden und nicht nur mit denen, die der selben oder ähnlicher Meinung sind wie wir selbst. Aber es geht auch anders. Wolfgang Pauli (Quantenphysiker) hat einen Dialog über die Vereinheitlichung von Psychologie und Physik mit C. G. Jung (Psychoanalytiker) geführt, genauso wie Jiddu Krishnamurti (Philosoph) mit David Bohm (Quantenphysiker), Wolf Singer (Neurologe) mit Matthieu Riccard (Buddhistischer Mönch), der 14. Dalai Lama (Buddhist) mit Anton Zeilinger (Quantenphysiker), und, und, und … .

Ihre Gespräche und Dialoge hatten alle ein gemeinsames Thema: Unus mundus, lateinisch für „eine Welt“, das gedankliche Konzept und Verständnis einer einzigen zugrunde liegenden einheitlichen Realität, aus der alles hervorgeht und zu der alles zurückkehrt. Unser aktuelles gesellschaftliches ‚Problem‘ scheint mir zu sein, dass diese Personen beziehungsweise ihre Ansichten nicht die Ansichten der Menschen wiederspiegeln, die die Mehrheit der Gesellschaft ausmachen. Statt nach dem Prinzip des ‚Unus mundus, der einen Welt zu leben, leben sehr viele allein im Verständnis ihrer Ich-Welt.

Wenn man sich einmal vorstellt, einen Quantenphysiker und einen Mystiker einerseits mit dem Chef eines aktiennotierten Unternehmens und einem in unserer deutschen Kultur heimischen Philosophen andererseits über ‚die Gesellschaft‘ und deren Weltbilder diskutieren zu lassen, dann würde man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keinen Konsens erleben, zu verschieden wären einfach die Ansichten.

Wie aber wollen wir als Gesellschaft gut miteinander leben können, ohne uns ständig gegenseitig zu beharken und zu bekriegen, wenn wir nicht einmal die Welt und uns selbst einigermaßen gleich sehen und verstehen? Wir können ja nicht einmal in einer Partnerschaft gut miteinander leben, wenn wir die Welt und uns selbst unterschiedlich wahrnehmen!

Wenn wir über ‚die Welt‘, ‚die Gesellschaft’ und ‚die Menschen‘ reden, sprechen wir ganz selbstverständlich in Konzepten darüber. Wir machen uns ein Bild, denn nur darüber können wir reden. Also scheinbar objektiv. Doch auch die Quantenphysiker haben erkannt, dass man über nichts wirklich objektiv reden kann, sondern nur subjektiv. Eigentlich wäre es schon besser, wenn wir nur akzeptieren würden, dass wir ausschließlich subjektiv über etwas reden können.

Aber eben nur eigentlich, denn es geht noch weiter. Tatsächlich haben wir, jedenfalls einige von uns, ein gewaltiges Denk-Problem. Nicht nur, dass wir uns als die Krone der Schöpfung ansehen, nein, es geht viel tiefer; denn wir sehen meist alles Lebendige als über dem Unlebendigen stehend an. Im Universum gibt es 10 89 Atome. Diese gigantische Menge besteht aus nur 118 verschiedenen Atomen. Doch wie werden daraus Moleküle? Warum verbinden sich Atome miteinander?

Das Leben ist aus scheinbar toter Materie entstanden. Angefangen hat es, beginnt man mit den Urknall, irgendwie mit reiner Energie. Dann ist da auch so etwas wie Bewusstsein und das Prinzip der Selbstorganisation gewesen, wodurch und womit sich das Universum und letztlich die Erde und dann auch noch das Leben zu entwickeln begann. Doch wer schon einmal einen Flow erlebt hat, der weiß, dass Begriffe wie Bewusstheit et cetera nicht mehr sind als der Versuch, etwas Unbennbares benennbar machen zu wollen.

Wollen wir wissen, wie unorganische Materie das hinbekommen hat, muss man sich nur die Funktionsweise eines Lasers anschauen. Ein Gas wird in einer Röhre mit Energie versorgt, was das Gas anregt und aus seinem bisherigen Zustand herausbringt (es wird instabil), was wiederum zur Folge hat, dass es diese überschüssige Energie in Form von Licht aussendet, doch anders als eine normale Glühbirne schön parallel. Und die Lichtstrahlen organisieren sich dann so, dass sie im Takt schwingen. Ganz von alleine, ohne das irgend jemand eingreifen würde.

So hat das von Anfang an funktioniert und funktioniert auch weiterhin so. Anregung + instabiler Zustand = etwas anderes entsteht. So wird durch Selbstorganisation Beziehung gestaltet. Vorausgesetzt, wir lassen den instabilen Zustand zu und versuchen ihn gerade nicht zu managen, geben ihm keine klare und eindeutige Richtung vor. Das ist das Verständnis sowohl der Quantenphysiker wie der Mystiker von der Welt.

Da auch die Quantenphysiker so denken, nehme ich das persönlich sehr ernst, denke ich über die Welt, de Gesellschaft und mich selbst nach.