Die Notwendigkeit, miteinander zu reden

Doch was wird überhaupt unter ‚reden‘ verstanden? Kürzlich habe ich gelesen, dass man das Schicksal des anderen achten müsse. Einverstanden, sehe ich ja grundsätzlich ein. Doch was, wenn das schicksalhafte Verhalten des anderen das eigene Leben mitbestimmt? Wenn man dem einfach nicht auskommen kann? Das kommt ja in jeder Form von Gemeinschaft vor, in Partnerschaften, Familien, Unternehmen und so weiter und so fort. Und was macht man dann? Genau, man ‚redet‘ miteinander.

Nur, und das wird mir wohl die eine oder der andere bestätigen, manchmal hilft es einfach nicht. Dann bleibt es, wie es ist, bis einem der Geduldsfaden reißt und ein handfester Streit ausgelöst wird. Was leider auch nicht immer das gewünschte Ergebnis nach sich zieht. Und manchmal bleibt den Beteiligten nichts anderes übrig, als verschiedene Wege zu gehen. Was nicht so einfach ist und manchmal auch recht destruktiv. Eigentlich selten bis nie die optimale Lösung.

Mich erinnern solche Szenarien immer an die Zeit, als ich noch Mediationen machte. Ich empfahl den Klienten sich erst einmal Gedanken über ihre Lösungsstrategie zu machen und da einen Konsens herbeizuführen und sich erst dann über die Details zu unterhalten. Die wenigen, die sich darauf einließen, hatten die Lösung blitzschnell. Ganz einfach, sie redeten ‚anders‘ miteinander.

Es spielt ja eine große Rolle, wie man miteinander redet. Ich zum Beispiel rede wenn, dann meist über Fakten, denn über Emotionen kann man nur schwer diskutieren. Die habe ich oder eben nicht. Erst einmal. Und wenn ich meiner Frau sage, was ich natürlich nicht tue, versteht sich, dass sie nervt, dann weiß sie immer noch nicht, was ich denn gerne hätte. Nur wenn ich ihr sage, dass sie mir ihr Essen nicht ohne zu fragen rüber schieben soll, weil es ihr zu viel ist, erst dann wird sie (hoffentlich) damit aufhören. Und auch damit, nochmal das Identische zu fragen, obwohl ich schon ‚Nein!‘ gesagt habe.

Erst einmal muss klar sein, worüber wir reden wollen. Über Fakten oder Emotionen? Nur wenn darüber Einigkeit besteht kann ich sicher sein, dass sie meine mitgeteilten Fakten auch als das ansieht, was sie sind, nämlich Fakten und sich damit auseinandersetzt. Und schiebe ich doch einmal eine Emotion dazwischen rüber, dann kann sie die entweder ignorieren oder hinterfragen. Funktioniert auch umgekehrt.

Und wenn man sich dann noch die verschiedenen Kommunikationsmodelle anschaut, wird meist klar, was man will. Will ich einen Stereomonolog führen, den anderen niederringen und recht behalten, oder will ich ihn wirklich verstehen. Will ich wirklich verstehen, dann bleibt eben meist nur der Dialog. Geht es um das Auto, das wir uns kaufen wollen, sind wir uns also im Grunde einig und geht es nur noch um technische Details, dann tut es wahrscheinlich auch ein Diskurs.

Die Notwendigkeit, miteinander zu reden ist (für mich) offensichtlich. Doch das heißt auch erst einmal zu klären, wie man miteinander reden will. Dann wird reden einfach, jedenfalls ist das meine Ansicht und auch meine Erfahrung.