Die Sache mit dem Regenbogen

Den es übrigens gar nicht gibt, auch wenn so ziemlich jeder schon einmal einen gesehen hat. Falls Sie jetzt zu denen gehören sollten, die die Stirn runzeln, müssten Sie sich nur einmal klar machen, wie der Regenbogen in Ihren Kopf kommt.

Damit es (scheinbar) einen Regenbogen geben kann, braucht es im wesentlichen drei Dinge: Sonnenlicht, einen feinen Wassernebel in der Luft und einen Beobachter. Fehlt eines dieser drei Dinge, wobei der Beobachter natürlich kein Ding ist, dann gibt es auch keinen Regenbogen. Obwohl, erst der Beobachter macht den Regenbogen zum Regenbogen.

Regenbögen gibt es nicht, allenfalls kann von einem Prozess gesprochen werden, der im Gehirn des Beobachters einen Regenbogen simuliert – wenn er hinschaut. Sehe ich einen und mache die Augen wieder zu, funktioniert der Regenbogen nicht mehr, weil ich ihn nicht mehr beobachte.

Was aber, wenn meine Frau neben mir die Augen nicht zumacht, sondern den Prozess weiter beobachtet? Dann gibt es die Simulation zwar für sie, aber nicht für mich. Wohlgemerkt die Simulation, denn genau genommen gibt es ja nie einen Regenbogen, nur einen Regenbogenprozess. Was Einstein übrigens zu der wohl verzweifelten Frage brachte, ob der Mond auch da wäre, wenn keiner hinschaut.

Konsequent gedacht gibt es den natürlich nicht, auch nicht, wenn jemand hinschaut. Denn es gib nur die Simulation des Mondes zu sehen. Nur eine Menge Quantenpampe ist da, wie ich es immer nenne, aber kein Mond. Verdammt schwer vorzustellen. Es ist also nichts da, wenn ich nichts wahrnehme? Wir sehen nichts, sondern wir lassen es in unserem Geist entstehen

Und wie ist es sonst, etwa mit meinem nervigen Nachbarn? Genauso! Den gibt es auch nur, weil ich ihn mir genau so vorstelle, wie ich ihn erlebe. Seit ich das begriffen habe, ist er auch nicht mehr nervig, nur anders als andere. Aber eben nicht nervig!

Ja, das geht ganz schön ans Gemüt. Da kommen manche auf die Idee, es sei ihre eigene Schuld, wenn sie den anderen für nervig halten. Schuld würde ich nie sagen, aber Mitverantwortung, das ja. Wenn ich jemanden nervig finde, dann muss ich ja eine Beziehung zu ihm haben, sonst kann ich ihn nicht nervig finden (oder nett, wäre ja auch möglich). Ohne Beziehung kann ich dem anderen gegenüber keine Empfindungen haben.

Beziehungen haben die Eigenart, dass ich sie selbstverständlich immer mitgestalte und nicht nur mitgestalten kann. Wenn ich dem (für andere) nervigen Nachbarn begegne und ihn nicht nervig, sondern einfach nur anders als andere erlebe, dann ist er für mich auch nicht nervig, sondern „nur“ anders.

Es ist wie mit dem Regenbogen. Auch Beziehung ist ein Prozess, der ohne mich als Beobachter und später als Akteur nicht stattfinden kann.