Die Sache mit den Weltbildern

Das ‚Problem’ ist, dass es davon für den Menschen mehr als eines gibt, aber nur eine Welt existiert. Ich spreche hier übrigens nicht über die Theorien der Viele-Welten-Interpretation, sondern gehe von einer Welt aus, nur ist die nicht determiniert. Wenn aber mit unterschiedlichem Verständnis über die identische Sache geredet wird, ist der Streit meist vorprogrammiert. Also lohnt es sich, die Weltbilder einmal genauer zu betrachten, mit denen wir Menschen normalerweise arbeiten und, was ganz wesentlich ist, uns damit in der Welt einrichten, also organisieren.

Wenn ich einmal die Feinheiten weglasse, gibt es im wesentlichen vier Arten von Weltbildern, nämlich geistige, wozu ich auch trotz aller Unterschiedlichkeit religiöse, spirituelle, philosophische und ideologische zählen möchte, sowie naturwissenschaftliche, die Konvention und, last but not least, das, ich nenn es mal so, das Ideal. Dazu später mehr. In den Köpfen der Menschen existieren sie jedoch selten selten in ihrer reinen Form, sondern vielfach auch in Mischformen beziehungsweise Arrangements davon. Man könnte diese Mischformen auch Zweck- oder Arbeits-Kompromisse nennen.

Geistige und wissenschaftliche Weltbilder schließen sich keineswegs grundsätzlich aus, auch wenn viele das denken. Einige haben sich dran gemacht, die Übereinstimmungen herauszuarbeiten, so etwa Krishnamurti und David Bohm, Wolfgang Pauli und C. G. Jung, Buddhismus und (unter anderem) Anton Zeilinger, um nur einige zu nennen. Ich persönlich habe versucht, Gedanken des Ch´an mit den grundsätzlichen Erkenntnissen der Quantenmechanik in Übereinstimmung zu bringen, was meines Erachtens nach auch ohne Schwierigkeiten möglich ist. Lässt man sich auf die fundamentalen Fragen ein, die die Quantenmechanik aufwirft, kommt man zu Schlussfolgerungen, wie man sie auch aus dem Ch´an kennt. Und das Ganze ‚funktioniert’ auch noch rein technisch sehr gut. Was also will man mehr, könnte man denken.

Ja, das könnte man, wenn nicht so viele in der Konvention feststecken würden. Konventionelles Verhalten ist gut darin, eine Dinnerparty zu einem lustigen Event zu machen und um Spaß zu haben, doch wenn man einmal genau hinschaut, dann sind solche Dinnerpartys oder ähnliche Veranstaltungen zwar sehr höflich und meist recht lustig, doch leider auch unauthentisch und – vorausgesetzt, man schaut genau hin – auch langweilig und steril. Vor allem sind sie eins, nämlich unproduktiv. Solange man in der Konvention verharrt, macht man sich selbst ziemlich klein. Und was soll dabei schon herauskommen, Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein sicher nicht.

Also geht es wohl vorrangig darum, nicht in dem Weltbild der Konvention zu verharren, sondern sich aufzumachen und sich ‚sein‘ geistiges wie ‚sein‘ wissenschaftliches Weltbild einmal genauer anzuschauen. Habe ich dann für mich ein klares Weltbild definiert, muss ich mir aber darüber im Klaren sein, dass es ein ‚Bild von der Welt‘ ist und eben nicht die Welt! Doch die Frage ist, ob ich nicht auch ein Weltbild generieren kann, das mich ohne Erklärungen in der Welt sein lässt? Und ja, das kann ich, nämlich dann, wenn ich mich vollkommen auf das einlasse, was ist und mich in den Geist versenke. Ein Wissenschaftler würde einen solchen Zustand ‚Flow‘ nennen, ein spiritueller Mensch würde in Verzückung geraten, würde er darüber sprechen.

Ich selbst habe solche Zustände schon erlebt, doch da ist nichts, was ich in Worte fassen oder gar erklären könnte. Es ist nämlich gerade die Abwesenheit jeglicher Verstandestätigkeit. Das Dumme ist nur, wie gesagt, dass man das nicht erklären, sondern nur selbst erfahren und erleben kann. Wort- und auch gedankenlos, doch hochkonzentriert und sicher nicht ohne Denken. Da ist kein Gedanke, der einem im üblichen Sinn bewusst sein könnte; keine Absicht, kein Wollen – und doch handelt man ideal um nicht zu sagen perfekt, immer gemessen am eigenen Vermögen. Genau das passiert, wenn das explizite Weltbild verinnerlicht wurde und mein Verhalten und meine Haltung prägt. Doch das kommt nicht durch intellektuelle Beschäftigung, sondern indem ich es lebe.

Ich denke, nur so kann es eine Übereinstimmung von Weltbild und Welterfahrung oder – Erleben geben.