Die Suche nach Ordnung

Tun wir das nicht alle? Jeder auf seine ganz persönliche, individuelle Weise? Doch warum suchen wir nicht gemeinsam? Glauben wir denn wirklich, dass es verschiedene Ordnungsstrukturen auf der Welt geben könnte? Das glaube ich nämlich schon lange nicht mehr.

Das bedeutet, dass ich das, was ich tue, sowohl für mich als auch mit Auswirkungen für andere tue, gleichermaßen bin ich aber auch Statthalter und Bürge des Kosmos. Meine persönliche (Lebens-) Ordnung folgt fraglos grundsätzlichen kosmischen Axiomen, denen ich mich nur scheinbar entziehen kann. Handle ich ihnen nicht gemäß, kann meine Ordnung nicht funktionieren. Dass ich als ein System selbstorganisiert bin ist eines dieser kosmischen Axiome, nichts anderes organisiert mich und ich kann es auch nicht an wen auch immer delegieren. Das fängt bei sehr grundsätzlichen Dingen an, etwa meinen Essgewohnheiten, wie dieses Video auf Arte eindrucksvoll belegt.

Es ist also nicht die Frage, was ich heute essen möchte, sondern die wichtige Frage ist, was ich denn klugerweise essen sollte! Was gar nicht so einfach zu beantworten ist, denn vor einer biologisch stimmigen Ernährung steht erst einmal die Überwindung meiner Essgewohnheiten und vor allem meiner Esslüste, die sich so gar nicht für das interessieren, was ich bräuchte. Mein Gehirn ist also sehr wohl in der Lage, sich selbst zu sabotieren, was wir unserer naturfernen Ernährung verdanken. Also fängt meine Essordnung mit dem an, was ich realisieren will, dann kommt die Suche nach Rezepten beziehungsweise nach Gerichten, danach steht der ungefähre Monats- und Wochenplan und Wochen- wie Tageseinkauf an.

Und wenn ich nichts kaufe, was ich auch nicht brauche, werde ich es auch nicht essen können. Natürlich werde ich nicht vollkommen auf Schokolade verzichten, aber eben nur gelegentlich. Und das heißt, sie auch nur gelegentlich einzukaufen. Wieviele Tafeln habe ich diesen Monat denn schon gekauft? Ist das Limit erreicht? Und das nächste Jahr nehme ich vor Weihnachten ab und nicht danach! Und Winterspeck ist auch nicht mehr als eine blöde Ausrede für mangelnde Ordnung in meinem Essverhalten.

Also bringe ich Ordnung in mein Leben. Doch Ordnung schaffen ist nur eine Folge, der Inhalt meiner Ordnung. Entscheidend aber ist die Form. Und die beginnt bei den Axiomen und setzt sich in der Struktur fort. Das bedeutet, dass ich erst einmal ein mentales, intellektuelles Konzept brauche, bevor ich wirklich Ordnung schaffen kann und nicht nur einen Zustand herstelle, der ordentlich aussieht. Das betrifft aber nicht nur meinen Wohnraum, meine Kleidung oder meinen Computer, sondern es betrifft wirklich alles, also all meine Beziehungen, auch wie ich denke und womit ich mich beschäftige. Ob mir das bewusst ist oder nicht, ich lebe bei wirklich allem in einer Ordnungsstruktur.

Also bei wirklich allem.