Die Welt, in der ich lebe

Ist das die Welt, wie sie wirklich ist oder nur, wie ich glaube, dass sie es wäre? Ich kann mich jetzt fragen, ob nicht jeder in seiner Welt lebt, in seiner eigenen Vorstellung von der Welt. Doch ist das die Welt, wie sie wirklich ist? Nein, das kann sie ja nicht sein.

Ist jetzt die Welt an sich die Summe aller Welten, also der Welten, die jeder einzeln für sich denkt? Viele denken zwar so, nur in welcher Welt leben dann die Tiere, Pflanzen und was es sonst noch so gibt?

Ist es nicht lebensfremd, nicht in der Welt zu leben, wie sie für alles ist, sondern „nur“ in der eigenen Welt, der Welt der eigenen Gedanken? Aber genau das ist in der Summe exakt die gesellschaftliche Welt, in der so viele leben. Eine gedachte Welt. Nicht komplett, aber ziemlich. Und das ist in meinen Augen krank.

Daher sage ich: Nicht mit mir. Nicht mehr.

Ich war im Januar 2020 im Krankenhaus. „Meine“ Krankheit gehörte ganz klar in die Welt, wie sie wirklich ist, ausgelöst wurde sie jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Welt meiner Gedanken. Vornehm ausgedrückt: eine Zivilisationskrankheit.

Da habe ich angefangen zu verstehen, dass es nicht um die Frage geht, wer oder was ich bin, sondern in welcher Welt ich überhaupt lebe. Denn in der Welt, der, wie sie wirklich ist, in der gibt es kein „Ich“. Das weiß ich definitiv, denn ich habe diese Welt immer wieder einmal erleben können.

Nur bin ich immer wieder aus diesem Flow-Zustand herausgefallen. Bei der Amsel, die ich gerade beobachtet habe, wie sie Futter gesucht hat, ist das nicht so, denn sie kennt keine Zivilisation. Ich aber lebe in der zivilisierten Welt der Menschen.

Wie ich selbst in dieser Zivilisation lebe, wie ich mein Leben gestalte, das mache ich letztlich durch die Kultur, die ich in meinem Denken und meinem Verhalten zum Ausdruck bringe. Es ist also meine eigene Kultur, die die Welt schafft, in der ich lebe.

Wenn es in Flow-Zuständen möglich ist, ohne „Ich“ und gleichermaßen in der Zivilisation zu leben, wie etwa ein Musiker, ein Sportler, aber auch ein Chirurg und vielleicht auch ein Manager es tun kann, wenn das Handeln von großer Klarheit und Präsenz geprägt ist, wenn das Denken leicht, flexibel und spontan und das Handeln kraftvoll, effizient und direkt ist, dann kann „man“ das auch immer. Ohne eigentlich.

Das ist die Welt, in der ich leben will. Ohne „Ich“.