Doch was bedeutet das?

Und wie geht es weiter, wenn wir, also meine Frau und ich, unsere Wirklichkeit tatsächlich gemeinsam gestalten? Stellen Sie sich ganz einfach unsere Beziehung wie einen Tanz vor. Ich bin kein sonderlich guter Tänzer, also kann meine Frau noch so gut sein, unser gemeinsamer Tanz wird nicht besonders toll werden.

Aber sie hat verschiedene Optionen, sie kann sich nämlich darüber aufregen, dass ich nicht gut tanze und mich mit Kommandos wie „Jetzt gib dir mal endlich Mühe!“ oder mit „Wenn du dich doch einmal anstrengen würdest!“ zu motivieren suchen. Was ihr so garantiert nicht gelingen wird, meine Laune wird immer schlechter und am Ende maulen wir uns gegenseitig an. Die Folge: Unser gemeinsamer Tanz wird noch schlechter, als er eh schon ist. Bis wir zum Schluss aufhören zu tanzen und es sein lassen.

Sie hat natürlich auch eine andere Option. Sie kann Verständnis dafür haben, dass ich schlecht tanze und mir zeigen, dass es ihr nichts ausmacht, wenn ich nicht so gut wie sie tanzen kann. Und sie kann mir zeigen, was ich besser machen kann. Nein, sie zeigt mir nicht meine Fehler, sondern das, was besser ist. Und sie motiviert mich, aber diesmal wirklich. Es beginnt also damit, dass sie mich akzeptiert, so wie ich nun mal tanze. Aber sie lässt nicht locker und bringt so langsam den Tänzer in mir zum Vorschein. Zum Schluss werden wir grinsend und zufrieden wieder an unseren Tisch gehen, ein bisschen außer Atem, aber gut gelaunt und fröhlich.

Im Gegensatz zur ersten Option haben wir uns weiter bewegt. Gemeinsam. Es liegt also an jedem von uns, wo die Reise hingeht. Oder der Tanz. Wenn einer nicht mitspielt, haben wir ein Problem. Tanzen kann man nämlich nur zu zweit. Und genau da steckt das Problem des täglichen Lebens vieler Menschen drin. Sie sehen sich nicht in einem Tanz miteinander, sondern eher in so einer Art Ringkampf. David Bohm bringt das sehr gut zum Ausdruck:

“I think the difficulty is this fragmentation.. All thought is broken up into bits. Like this nation, this country, this industry, this profession and so on… And they can’t meet. That comes about because thought has developed traditionally in a way such that it claims not to be effecting anything but just telling you the way things are. Therefore, people cannot see that they are creating a problem and then apparently trying to solve it… 

Wholeness is an attitude or approach to the whole of life. If we can have a coherent approach to reality then reality will respond coherently to us.. If we change our thinking we will produce the results we intend rather than what we don’t intend, that’s the first big change. Then we will be more orderly, harmonious, we’ll be happier, I think… The major source of unhappiness is that we are incoherent, and therefore producing results that we don’t really want, and then trying to keep overcoming them, but we keep producing them…“

Durch das übliche, fragmentierte Denken sehen viele das Leben als einen Art Ringkampf an. Und eben nicht als Tanz. Was es aber ist. Machen Sie mal heute Abend den Fernseher an und schauen Sie sich Nachrichten an und hinterher nich eine Talkshow. Was werden Sie sehen, einen Tanz oder Ringkampf? Und dann wenden Sie sich wieder Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner zu, ich hoffe, dass Sie einen haben, und wenn nicht, einem guten Freund oder Freundin, und besprechen Sie, wie Sie gemeinsam Ihr Zusammenleben gestalten wollen. Was wollen Sie denn tanzen? Schieber oder Tango? Oder doch Walzer? Und beziehen Sie das nicht auf ein oder zwei Stunden am Tag, sondern auf jeden Moment, in dem Sie zusammen sind. Was bei Menschen, die einem nicht so nahe stehen, schon schwieriger ist. Aber, wat mut, dat mut! Es geht um unser aller Leben! Einstein hat es so gesagt:

„Ein Mensch ist Teil eines Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Zeit und Raum begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken, seine Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes, eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins. 

Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns, sie beschränkt uns auf unsere persönlichen Wünsche und auf unsere Zuneigung gegenüber einigen wenigen, die uns am nächsten stehen. 

Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir unseren Kreis der Leidenschaften ausdehnen, bis er alle lebenden Wesen und das Ganze der Natur in all ihrer Schönheit umfasst.“

Ich finde es ist an der Zeit, dass wir endlich einsehen, dass die gewöhnliche Art, wie die meisten Menschen denken, schlicht unrealistisch ist. Und da helfen auch ein paar süße Smileys nicht oder über Liebe zu reden. Man muss es tun. Und das heißt in erster Linie miteinander zu reden. Aber bitte tanzend, und nicht schlagend.