Emotion und Information

Zwei, die scheinbar ein Team bilden, denn sie kommen in unserem Verständnis selten alleine daher. Eine Information kommt eigentlich nie alleine daher, Emotionen vermeintlich schon eher. Was natürlich nicht bedeutet, dass sie ganz ohne Information entstehen könnten, doch oft ist die Information in Vergessenheit geraten, die der eigentliche Auslöser war. Auf jeden Fall kommt eine Information scheinbar nie ohne Emotion daher, wir Menschen brauchen sie ganz offensichtlich, nicht um die Information wahrzunehmen, sondern um sie zu spüren. Meinen wir, doch tatsächlich ist es ganz anders.

Wir kennen das ja aus dem Reaktionsverhalten der Tiere wie aus dem eigenen. Es ist nicht die Information selbst, die eine Reaktion auslöst, sondern erst eimal deren Interpretation. Ob ich die Wespe, die gerade um meine Frühstückssemmel kreist, als Bedrohung empfinde oder eben nicht, darauf kommt dann alles Weitere an. Jedenfalls resultiert das Ergebnis in einer Emotion. Emotionen sind eine Notwendigkeit, damit das System anspringt – oder eben ruhig bleibt. Betrachte ich meinen Organismus einmal systemisch, bin „ich“ ja eigentlich ganz, ganz viele Zellen. Und wenn ein Zellhaufen eine Wespe registriert und das ganze dann gründlich untersucht hat, muss der ja die anderen irgendwie darüber informieren, was da gerade passiert. Also wirft er wie ein Buschmann die Kommunikationstrommel an und sendet seine Botschaft aus: „Alles ok, nur kein Stress!“ Doch warum entwicklen andere ganz andere Reaktionen und senden die Botschaft „Achtung, Vorsicht, Stechgefahr!“ aus? Übrigens, unsere Emotionen sind die Botschaft.

Ich denke, es liegt an den vorhandenen Informationen über Wespen. Weiß ich, dass Wespen auf schnelle Bewegungen reagieren, dann gebe ich an mein System die Information „Ruhig sitzen bleiben!“ aus. Obwohl, eigentlich mache das ja nicht „ich“, sondern die dafür zuständigen Zellen. Der Informationsfluss läuft also über die erst einmal von außen kommende Information, die anhand der gespeicherten anderen Informationen bewertet und dann als eigene  (!) Information weitergegeben wird, was  letztlich eine Reaktion auslöst. Ganz schön komplexer Vorgang, den wir aber schlicht zusammenfassen in „Ich empfinde dieses oder jenes.“. Meine Emotionen sind eigentlich nichts anderes als die Interpretation einer von außen aufgenommenen Information. Die daraus resultierende eigene Information was zu tun ist, wird an alle Zellen meines Systems weitergegeben. Damit ist die Emotion eigentlich aufgebraucht, denn sie hat ihren Dienst getan.

Doch in Echt funktioniert das leider nicht so. Warum nicht? Ganz einfach, weil ein großes „Ich“ hinzugekommen ist. Das krallt sich dann die Emotion und sagt, es, also „ich“, hätte jetzt diese Emotion. Und es macht sehr, sehr gerne aus Mücken Elefanten. Dieses „Ich“ hat sich ja über die Jahre eine eigene Welt des Denkens aufgebaut, die es so wunderbar ausgestattet hat, dass wir die schnell mal für die wirkliche Welt halten – was sie aber leider nicht ist. Nur das merken wir leider meist erst, wenn es ordentlich knirscht. Doch eine Welt nur aus Gedanken wäre ja doch verdammt karg. Fürchterlich nüchtern. Doch da ist nichts zu spüren. Gerade die Menschen, die sich nicht so gerne mit dem reinen Denken beschäftigen, die hätten gerne mehr Kolorit, mehr Farbe für das Ganze. Und auch mehr „Emotionen“, damit das Leben einfach attraktiver wird. Das Dumme ist nur, dass das keine der ursprünglichen Emotionen sind, sondern gedachte. Wir sind dabei, uns eine Scheinwelt aufzubauen. Was meiner „Ich-Vorstellung“ aber viel zu kompliziert ist (weil es die Komplexität nicht unbedingt sieht) und eben nicht nur reagiert, sondern die gedachten Emotionen zur (vermeintlich) eigentlichen Information macht.

Ist mir dieser Zusammenhang bewusst, fällt es zunehmend schwer, mich über andere noch aufzuregen. Aber seien Sie beruhigt, ich muss daran noch arbeiten. Jedenfalls weiß ich, dass mit meinem Informationssystem etwas nicht stimmt, wenn ich mich mal wieder aufrege. Oder ich reagiere einfach als „Ich“, was aber ein wirklich fataler Fehler ist. Das macht klar, warum wir aus Informationen so gerne Fakten machen, so als wäre es wirklich so. Spreche ich „nur“ über Informationen, merke ich schneller, was wirklich von außen kommt oder ob ich schon meine eigene Bewertungs-Information oder schlimmer noch, meine Ich-Bewertung als Außen-Information kommuniziere. Interessant ist ja, dass ich mich in einem Flow-Zustand weder aufrege noch weiter darüber nachdenke. Was natürlich die Frage aufwirft, was ich davon habe, wenn ich mich aufrege oder darüber nachdenke. Dazu fällt mir ein wunderbares Foto ein, das ich „Illusion“ genannt habe:

Heute weiß ich, warum mich dieses Bild damals so antriggerte, es war schlicht und einfach ein Abbild des ganz normalen Lebens. Viele nennen so etwas ja Kitsch, doch selbst machen sie das Gleiche, nur eben anders. Sie nennen es dann „Realität“. Doch die Realität wirklich zu erleben und zu erfahren ist nicht so einfach, denn wir leben permanent in der Welt unserer Gedanken, eben einer Illusion, wenn wir das für die Wirklichkeit halten, was wir da so denken. Wir empfinden etwas als Realität, was es aber nicht ist, etwa wenn ich denke: „Der Paul hat mich geärgert!“ Doch die wirkliche Realität, also das Leben und uns selbst so erfahren, wie es wirklich ist, das können wir allein im meditativen Zustand des Flow erfahren. Da empfinden wir nicht einmal mehr Emotionen, sondern reagieren unmittelbar auf das, was uns begegnet.

Die von welchen Informationen auch immer ausgelösten Emotionen sind also vollkommen kurzlebig. Die Emotionen, die ich jedoch längerfristig habe, die haben mit dem eigentlichen Sinn nichts mehr zu tun. Die habe ich nur, um mich vom Leben abzuhalten.