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Ethik und Tun

Ein Tun wird zur Tat selbst,
wenn es zur Tat beiträgt.

Solche Gedanken sind eine Herausforderung für einen Juristen, lernt man als solcher doch zu ‚differenzieren‘. Dabei stellt man auf die Person wie die Position des Betreffenden im Tathergang ab, nicht jedoch absolut auf die Tatfolgen.

Strafrechtlich interessiert der tatsächliche Beitrag. Würden wir einem Gesinnungsstrafrecht folgen, hätte das zur Folge, dass Gedanken, Überzeugungen und Meinungen für sich genommen bereits strafrechtlich relevant wären – eine Katastrophe für die Freiheit der Gedanken.

Doch das sind strafrechtliche Kriterien die gesellschaftliche Geltung beanspruchen. Für mich als Person hingegen gilt meine ethischen Haltung. Daran orientiert sich mein Verhalten und nicht nur gesellschaftliche Normen.

Ein Gesetz hat das Verhalten der anderen im Blick, nicht das persönliche, nicht das eigene. Würde ich einem Gesinnungsstrafrecht das Wort reden, dann wäre das ein Einfallstor für jede Art der Schnüffelei und Denunziantentum. Doch für mich gilt eben nicht, dass ich denken kann, was ich will. Das sage ich zu mir, aber zu sonst niemandem.

Will ich einem Gebot wie ‚du sollst nicht töten‘ folgen, muss ich ethisch und nicht pragmatisch denken. Weil wir jedoch als Gesellschaft vielfach gelernt haben zu relativieren, wird dieses ‚eigentlich‘ absolut gültige Gebot tatsächlich nur relativ umgesetzt. Wenn ich jemandem ein Messer besorge, wissend, dass er damit einen anderen töten wird, macht es für mich keinen Unterschied, ob der sich das Messer auch auf andere Weise hätte besorgen können. Es ist eine Frage meiner eigenen ethischen Haltung, ob ich sein Tun unterstütze oder eben nicht.

Oft steht einem auch der gesellschaftliche Charakter im Weg, entweder weil man ihm aus eigenem Interesse folgt oder weil man sich nicht traut, eine gegenteilige Ansicht zu vertreten, nicht den Mut hat, sich von dem Mainstream abzusetzen, etwa, weil man dazu gehören möchte. Nur macht es das unter ethischen Gesichtspunkten nicht besser.

Wer weiß, was zu tun wäre, macht sich schuldig, wenn er schweigt. Spricht man über Ethik, gibt es keinen Raum mehr für einen Komparativ.

Published inAllgemein