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Gibt es absolute Wahrheit?

Eine nicht einfach zu beantwortende Frage. Erst einmal muss man definieren, was man selbst unter Wahrheit versteht.

Für mich ist es ein Begriff, mit dem wir etwas zu beschreiben suchen, was absolute Gültigkeit hat. Weil das so schwierig zu formulieren ist, benutze ich meist nur den Begriff Wirklichkeit.

Was also ist für mich Wahrheit? Es ist das, mit dem wir etwas zu beschreiben suchen. Es ist nichts, womit sich Zukünftiges voraussagen ließe. Also nie eine absolute Wahrheit in diesem Sinne.

Als mir heute wieder einmal die Aussage über den Weg lief, das Wahrheit nie absolut sein könnte, schlich sich bei mir die Überlegung ein, dass es wohl auf die eigenen Denkstrukturen ankommt, ob man das bejaht oder eben nicht.

Zu sagen, Wahrheit sei nicht absolut, bedeutet ja, dass ich Wahrheit nicht in Worte fassen kann. Das stimmt oder stimmt nicht. Ich denke, es ist eine Frage der Blickrichtung.

Schaue ich zurück in die Vergangenheit, gibt es ganz zu definierende absolute Wahrheiten. Schaue ich hingegen nach vorne in die Zukunft, gibt es die nicht. Das lässt sich leicht an dem darstellen, was wir durch die Quantenphysik wissen:

Die Naturgesetze der Quantenphysik beziehen sich ausschließlich auf Möglichkeiten. Also keine absolute Wahrheit. Experimentell beobachtet und gemessen werden kann dagegen nur, was wirklich geschieht. Also absolute Wahrheit.

Im Moment der Messung kommt es zu einem sogenannten Kollaps des Möglichkeitsraums und der nur in ihm gültigen Gesetze der Quantenphysik.

Aber sind diese Gesetze nicht auf ihre Art ebenso wirklich und damit wahr, wenn sich alle ihr Vorhersagen bestätigen, auch wenn sie nur für statistische Gesamtheiten von wahrscheinlichen Ereignissen formuliert sind?

Die Quantenphysik fragt nach einem neuen Verständnis des Möglichen, und diese Frage ist bis heute von der westlichen Philosophie noch nicht einmal zur Kenntnis genommen worden.

Könnten wir das wirklich gedanklich leben, dann würde es bedeuten, dass es gelingt, in einer kreisförmigen Bewegung in den Raum der Möglichkeiten einzutauchen ohne die Verankerung (alaya-vijnana sagen Buddhisten dazu) im Wirklichen aufzugeben und von dort in die Wirklichkeit zurückzukehren.

Wenn wir das hinbekämen – und es ist die Frage, warum uns das nicht gelingen sollte – dann würden wir wahrscheinlich ‚Wahrheit‘ ganz anders definieren, eben als Tetralemma. Auch das Tetralemma, das für einige ja ein Sinnbild des Unklaren ist, ist absolut klar.

Die Variante ‚A ist wahr und auch B‘ ist ja nur dann gegeben, wenn beides feststeht, also dass A und B wahr sind, auch wenn sie sich zu widersprechen scheinen – und eben nicht als Möglichkeit.

Vor allem steht eines fest: Das Tetralemma sagt nichts über die Zukunft aus! Und das ist absolut (!!) wahr. Das ‚alte‘ Denken unterstellte, dass die Dinge klar zu definieren wären, etwa Materie. Nun wissen wir heute, dass dem so nicht ist, sondern alles ein Prozess ist, der eben nicht vorgegeben ist.

Dinge sind eben keine Dinge, das sind sie nur scheinbar. Sondern es sind tatsächlich Phänomene. Und mit dieser ‚anderen’ Sichtweise darauf verändern sich auch Begriffe wie Wahrheit etc..

Will alles neu gedacht werden.

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