Ideologie, Sprache und Denken

Warum eine ideologische manipulierte Sprache unser Denken blockiert – und was wir dagegen tun können. Das las ich heute in einem Buchkatalog. Neugierig geworden blätterte ich das Heft auf und las weiter, jedoch nicht lange, denn es verschlug mir regelrecht die Sprache, soweit das beim Lesen überhaupt geht. Denn was ich da las, war für mein Empfinden exakt das, worum es ging: Eine ideologische Manipulation, die sich der Sprache bedient.

Was aber stand da genau? „Die von den staatstragenden Medien vorangetriebene Infantilisierung der deutschen Sprache, einst eine der präzisesten Sprachen der Welt, hat inzwischen groteske Ausmaße erreicht. Ein Blick in die deutschen Gazetten zeigt: sie Quellen über von Worthülsen, Begriffsumdeutungen, halbwaren Floskeln, wohlfeilen Mustersätzen, linguistischen Simplifizierungen, Kampfbegriffen und ewig gleichen linkspädagogischen Argumentationsmustern, die das im Denken der Menschen normieren, ja ausschalten sollen.“

Wenn das mal kein Versuch der ideologischen Manipulation ist! Doch es geht mir hier nicht darum, den Verlag anzuklagen, sondern der Frage nachzugehen, wie eine solche ideologische Manipulation überhaupt ‚funktioniert‘. In dem Moment, in dem ich mir bewusst bin und ich es mir auch immer wieder bewusst mache, wie eine Manipulation funktioniert, bin ich am ehesten dagegen gefeit. Eine Ideologie zu haben ist ja an und für sich nichts Verwerfliches, auch ich folge, wie wohl jeder andere Mensch auch, einer inneren Überzeugung, einem inneren Weltbild, also nichts anderem als einer Ideologie, nämlich einem gebundenen System von Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Werten.

Was also macht die Manipulation überhaupt zur Manipulation? Das Wort stammt ja von der lateinischen Zusammensetzung aus manus ‚Hand‘ und plere ‚füllen‘ ab; wörtlich ‚eine Handvoll (haben), etwas in der Hand haben‘. Also erst einmal nichts Anrüchiges. Es kommt darauf an, was man damit bezweckt. Wie bekomme ich meine Enkel dazu, mit mir etwas zu spielen, statt herumzuquengeln? Ganz einfach, in dem ich sie dazu manipuliere. Überreden nennt man das auch, wenn der Manipulationsversuch zu offensichtlich ist. Ich spreche etwas an, was sie mögen, was sie ‚anmacht‘. Manipulation ‚funktioniert‘ immer nur dann, wenn der andere im Grunde dazu bereit ist, wenn es ihn also anspricht und er darauf abfährt. Nur merkt er dann leider nicht, was er noch so untergeschoben bekommt.

‚Negative’ Manipulation hat also zwei Aspekte: Einmal das, was der andere mag, auf das er abfährt und das, was er untergeschoben bekommt oder bekommen soll, was er meist nicht bemerkt oder in seiner Bedeutung nicht korrekt erfasst. Vielleicht weil er das Positive zu sehr begehrt. Wenn ich ein leckeres Stück Kuchen sehe, fällt mir meist auch erst nachdem ich es gegessen habe ein, dass ich ja abnehmen wollte. Es ist meine (!!) Lust auf den Kuchen, die mich damit manipulierbar macht. Es ist in obigem Beispiel auch genauso. Was triggert mich oder andere an? Das ist die Thematisierung von Fakten: Worthülsen, Simplifizierungen, Halbwahrheiten. Doch dann fängt die Manipulation an, indem diese (für mich) Fakten mit ideologischen Begriffen wie Kampfbegriffen, Linkspädagogik et cetera vermischt werden. Und je nachdem wie aufmerksam ich bin, schlucke ich die Kröte, vor allem wenn ich etwa mit den sogenannten Linken auf Kriegsfuß stehe. Und das vergiftet dann mein Denken.

Deswegen drehe ich es immer um: Erst denken, dann sprechen. Und auch lesen. Eigenständig halt. Die Ideologie (die ja nicht per se schlecht ist) kommt erst am Ende dabei heraus.