Immer der Ärger mit der Komplexität 

Komplexität ist meines Erachtens nach sehr einfach, nur kann man keine konkreten Vorhersagen (mehr) treffen. So ein Pech aber auch. Und weil wir es scheinbar nicht gelernt haben, mit Komplexität umzugehen, machen wir es dann auf dem Weg zur vermeintlichen Lösung – die es aber nicht gibt – kompliziert.

Je mehr ich Komplexität anerkenne, desto geringer wird die Bedeutung dessen, was war, aber auch die Bedeutung dessen, was sein könnte. Vergangenheit und Zukunft verlieren ihre Aussagekraft für unser eigenes Handeln. Dafür treten Dinge in den Vordergrund, die im üblichen Verständnis nicht konkret sind. Es kommt nicht mehr so sehr darauf an, was  ich tue, sondern vielmehr auf das, warum  ich es tue, also meine Intention.

Und das fängt früh an, es beginnt mit meiner Interpretation der Ereignisse, der Frage, wie ich mich dazu und zu meinem Gegenüber in Beziehung setze beziehungsweise, wie ich die Beziehung sehe und dann, welche Absicht ich überhaupt verfolge. Diese Überlegungen sind aber nur scheinbar theoretisch, denn tatsächlich entscheiden sie, was ich tun werde und wie ich mich verhalten werde.

Wir fragen uns oft, welche Absicht jemand mit einer Handlung verfolgt, was den Gedanken impliziert, dass Handlung und Absicht eins sind. Doch das sind sie wohl nicht, die Absicht ist schon vorher implizit vorhanden und zeigt sich dann erst in der Handlung, im Tun wird sie explizit.

Nur auf die Handlung zu schauen reduziert diesen komplexe Vorgang und macht ihn schlagartig kompliziert, weil dadurch wesentliche Elemente übersehen oder ausgeblendet werden. Dabei hat das Ganze einen, wie ich finde, hochinteressanten Aspekt für mein tägliches Verhalten.

Gehe ich von der Komplexität aus, stehen mir definitiv wesentlich mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Handlungen ergeben sich dann nicht mehr aus linearen und eindeutigen Wenn-dann-Strukturen. Ich kann dann nicht mehr wissen, was zu tun angemessen und stimmig ist, denn dafür habe ich schlicht und einfach zu viele Möglichkeiten.

Da könnte ich schon verzweifeln, es sei denn, ich habe meine impliziten Interpretationsmuster, mein Beziehungsverhalten und meine Absichten, also meine gesamte innere Haltung einigermaßen geklärt. Denn dann bin ich in der Lage, spontan das Stimmige und Angemessene zu tun.

Ein Problem kann da aber noch drin stecken. Sobald ich etwas erreichen will, fliege ich hochkant aus dem komplexen Zustand heraus und er wird verdammt kompliziert. Mit Komplexität „umzugehen“ verlangt also eine völlig andere Herangehensweise. Die aber kann man lernen.