Immer wieder Ich

Es kommt nicht darauf an, wie ich mich sehe und auch nicht, wie andere mich sehen. Ich bin wie ich bin und daran ändert auch eine wie auch immer geartete Sichtweise nichts. Es ist auch nicht die Frage, was ich kann, wie ich bin oder was ich mache. All das spielt keine Rolle. Sobald ich aufhöre, etwas sein zu wollen, werde ich Schritt für Schritt der, der ich bin. Ich muss einfach nur aufhören, jemand werden zu wollen, damit ich werde, der ich bin. Ich habe mich ganz klar dafür entschieden, alles Werden- oder Erreichen-Wollen in die Tonne zu entsorgen. Natürlich gibt es noch viel für mich zu lernen, doch etwas erreichen zu wollen steht dem gewaltig im Weg.

Mein Enkel Paul, knapp 3 Jahre, oder seine Cousine Lotte mit ihren 8 und sein Cousin Henri mit seinen 5 Jahren machen es mir vor. Sie sind, die oder der sie sind. Doch das, was wir normalerweise wahrnehmen, das Sichtbare, das sind sie definitiv nicht. Alles, was sie gelernt haben und noch lernen werden, was sie begreifen und verstehen oder auch nicht, all das ist nur die Robe, mit der sie in der Welt herumlaufen, sichtbar sind.

Wenn ich sie eine Weile nicht gesehen habe, kommen sie mir immer ganz anders vor. Sind sie aber nicht, es sind immer noch Paul, Lotte und Henri. Immer noch die Selben, aber nicht mehr die Gleichen. Herrliches Paradoxon. Das Dumme ist nur, dass ich mir irgendwann eingebildet habe, ich sei jetzt fertig. Was für ein Blödsinn, denn damit habe ich mich in meinen Theorien, Modellen, Konzepten und Überzeugungen vollkommen verheddert und verstrickt. Da fällt mir gleich das Wort ein, dass man ja nicht sagen darf, will man als wohlerzogen durchgehen.

Ja, die Sache mit der Erziehung. Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ lässt grüßen. Gelesen habe ich das vor mehr als 40 Jahren. Aber irgendwie nicht kapiert. Aber vielleicht ist es ja jetzt angekommen. Ich habe mich nämlich nur deswegen in meinen eigenen Gedanken verheddert, weil ich mich als endlich ansah. Das aber bin ich nicht.

Als das erste Mal der Gedanke in mir aufkam, dass ich ja ein Aspekt des Kosmos sein muss, um überhaupt existieren zu können, habe ich den schnell mal wieder zur Seite gelegt. Denn dabei auf dem Teppich zu bleiben und nicht in Mystizismus abzudriften ist nicht so einfach. Nur, der blöde Gedanke lässt mich einfach nicht mehr los. Und ich denke, es ist auch so. Wenn wir die Welt im Allerkleinsten anschauen und auch im Allergrößten, dann findet sich da ja irgendwie nichts, nur Mögliches. Und was bereits möglich geworden ist, ein Stein, eine Pflanze, ein Tier oder ein Mensch wie ich, die sind sozusagen in eine andere Dimension eingetreten, in die Realität.

Doch wie sie die gestalten, das liegt an ihnen selbst, aber an allen zusammen. Ob das jetzt alles ein Spiel ist und sich eine einzige Entität das ausgedacht hat, um nicht so alleine zu sein, egal. Wir sind im Spiel, und jetzt sollten wir doch einmal überlegen, wie wir das Spiel überhaupt spielen wollen. Also mich gibt es einerseits nicht, andererseits schon. Aber da, wo ich bin, sollte ich mich ordentlich aufführen und keinen Blödsinn machen. Das ist erst einmal genug, das Grundlegende klar zu bekommen.

Wer bin ich überhaupt?