In welcher Welt lebe ich überhaupt?

Eine Frage, die ich durchaus ernst nehmen sollte, will ich die Welt nicht nur oberflächlich verstehen (und natürlich mich selbst). Die Frage lässt sich nämlich gar nicht so leicht beantworten. Tatsächlich lebe ich scheinbar in zwei Welten gleichzeitig. Und diese Welten vertragen sich nicht unbedingt. Eigentlich überhaupt nicht, wie gerade dem einen oder anderen klar wird.

Zum einen lebe ich in der natürlichen Welt, so wie der Kosmos sich das gedacht hat. Sonst würde ich ja überhaupt nicht existieren. Ich ‚funktioniere‘ ganz selbstverständlich nach dem kosmischen Plan, immerhin bin ich auf diese Weise bald 69 Jahre alt geworden. Doch das ist nicht alles. Gerade habe ich gelesen, dass die Natur es so eingerichtet habe, dass der Stärkere gewinnt. Und dann wird über die geklagt, die angeblich in unserem System das Sagen haben, die Reichen, die Politiker und wer auch immer.

Doch kaum einer kommt auf die Idee einmal zu hinterfragen, ob das wirklich so ist, beziehungsweise, dass das überhaupt nur ‚funktioniert’, wie wir unser Leben gestaltet haben, weil letztlich alle einem Denkfehler aufsitzen, einer unzutreffenden Interpretation dessen, was sie zu sehen glauben, nämlich, dass in der Natur das Recht des Stärkeren gilt? Es ist, jedenfalls ist das meine Ansicht, ein Irrglaube, der unter anderem die Grundlage für das Denken und Handeln von vielen definiert (!!). Und da das noch die Mehrheit ist, haben wie ein Problem, und zwar ein gewaltiges.

Wobei das Problem im Problem ja ist, warum der Kosmos das überhaupt ermöglicht. Bei der ‚sonstigen‘ Natur gibt es das nicht, nur beim Menschen. Die Suche nach einer Antwort sollten wir uns gleichwohl verkneifen und einfach einmal akzeptieren, dass es so ist, und uns überlegen, was denn zu tun wäre. Wenn wir das nämlich tun würden, im Einklang mit der ‚übrigen‘ Natur zu leben, die wir selbst ja auch sind, dann wäre die Antwort vielleicht so offensichtlich, dass wir gar nicht im Vorfeld darüber nachdenken müssten.

Einfach mit dem klar kommen, was ist. Doch das bedeutet eben, die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist – und nicht, wie wir dachten, dass sie so wäre. Sehe ich die Welt nicht so, wie sie tatsächlich ist, sondern wie ich sie erst einmal denke, dann darf ich mich nicht wundern, wenn ich schlicht und ergreifend das Falsche tue, auch wenn ich der festen Überzeugung bin, ich würde das Richtige tun.

Wir Menschen haben, scheinbar (oder auch offensichtlich) anders als Pflanzen und Tiere, angefangen uns zu fragen, wie die Dinge eigentlich funktionieren, um sie besser gestalten zu können. Wir haben nicht nur das Feuer erfunden, sondern haben auch gelernt, Landwirtschaft zu betreiben, mechanische Dinge selbst zu bauen und uns sogar selbst zu reparieren. Auf diese Weise haben wir es geschafft, unseren natürlichen Feinden ziemlich überlegen zu sein. Bis wir mit einem Mal nur noch mit uns selbst konfrontiert waren. Wir haben die Erde in Besitz genommen, beziehungsweise, wir haben es versucht. Denn gerade merken wir, dass wir der Natur doch ziemlich machtlos gegenüber stehen, wenn der was Neues einfällt.

Der Mensch beginnt nicht etwa seine Grenzen zu erkennen, sondern er beginnt die Grenzen seines bisherigen Denkens über die Welt, die Natur und sich selbst zu erkennen. Doch warum ist die Freude darüber so verhalten? Ganz einfach, weil uns vielfach noch der Mut fehlt, über das bisher Gedachte hinaus zu gehen und uns auf ein völlig neues, unbekanntes Feld zu begeben. Es bedeutet, uns in eine Welt vorzuwagen, die wir einfach nicht kennen, wo wir nicht wissen, was da alles passieren kann. Wir müssen erst einmal lernen, das zu händeln.

Es ist, so verrückt das klingen mag, ein (gedanklicher) Aufbruch in die Welt, wie sie wirklich ist, die wir aber noch nicht kennen. Denn das, was wir bisher glaubten über die Welt zu wissen, das stellt sich mittlerweile als leider unvollständig heraus. Wollen wir nicht jammernd und klagend untergehen, müssen wir bereit sein, den nächsten Schritt zu gehen. Bisher haben wir eher praktisch gedacht und gehandelt, wie man bei der Landwirtschaft wie der Industrialisierung gut sehen konnte. Doch mittlerweile merken wir, jedenfalls tun das einige, dass wir dabei etwas übersehen haben. Wir haben Dinge, also die Natur, zwar begonnen zu untersuchen, um sie besser für uns nutzen zu können, doch wir haben es nicht zu Ende gedacht.

Wollen wir wirklich wissen, wie die Welt ist, in der wir leben, müssen wir ganz offensichtlich weiter als bisher denken.