Intelligenz und Bewusstheit

Weder Intelligenz noch Bewusstheit sind „meine“. Wenn ich mir den kunstvollen Flug eines Adlers anschauen oder das klimatechnische Wunderwerk eines Termitenbaues, dann frage ich mich schon, wie mit relativ wenig Gehirn ausgestatteten Tiere zu solchen Intelligenzleistungen fähig sind. Daraus schließe ich, dass Intelligenz keine Frage der Gehirngröße ist, und umgekehrt kann ich von einem großen Gehirn nicht unbedingt auf hohe Intelligenz schließen.

Betrachtet ich mir dann noch Berichte über „terminale Geistesklarheit“, dann kann mir schon die Idee kommen, dass „meine“ intuitive Intelligenz und „meine“ Bewusstheit nicht wirklich in meinem Körper beheimatet sind, sondern vielleicht „nur“ empfangen werden.

Wenn dem so ist – und das Gegenteil ist ebenso schwer zu beweisen – dann muss ich auch empfangsbreit sein. Es ist wie bei einem Radio. Ist das Gerät aus oder ist der Sender nicht richtig eingestellt, kommt nichts an. Aber all das beginnen ich erst zu ahnen, wirklich verstehen kann ich es noch nicht wirklich.

Wie kann ich mich auf Empfang stellen, also „mich einschalten“ und dann auch noch mit der richtigen Frequenz? mich „einzuschalten“ heißt, mir dieser Zusammenhänge überhaupt bewusst zu sein – was etwas anderes ist, als nur daran zu glauben. Das andere ist, dass ich den Sender richtig einstelle, also man mich selbst. Mit anderen Worten: Der Sender muss den Empfänger einstellen und umgekehrt. Das mag erst einmal ziemlich paradox erscheinen, aber genau genommen muss ich dafür nichts tun, sondern etwas lassen.

Das, was ich lassen muss, das ist die Identifikation mit dem üblichen, gesellschaftlichen Leben, sprich ich muss alles loslassen, was mit Konvention zu tun hat. Doch „einfach“ ist es nicht, denn es kostet Kraft und Überwindung, sich aus der Konventionsblase zu lösen. Aber wie sagte doch Meister Eckhart?

Gott ist immer in uns,
nur wir sind selten zu Hause.