Ist das Leben eine Illusion?

Die Antwort ist ein klares „Jein“! Es gibt darauf sowohl eine sehr konkrete Antwort wie auch eine, die zum Grübeln anregt, aber ein Grübeln, das mich meines Erachtens nach nicht weiter bringt. Ich fange mal hinten an. Man kann darüber spekulieren, ob die Welt und das Universum ein Traum, eine Illusion sind. Wer kennt nicht dieses Gedicht von Zhuangzi?

Gestern Nacht träumte ich,
ich wär ein Schmetterling
und flog von Blume zu Blume.

Da erwachte ich und siehe:
Alles war nur ein Traum.

Jetzt weiß ich nicht:
Bin ich ein Mensch der träumte,
er sei ein Schmetterling,
oder bin ich ein Schmetterling,
der träumt, er sei ein Mensch?

Aus dieser Überlegung schließen manche, alles sei eine Illusion, das ganze Leben nur ein Traum. Angenommen, ich ginge davon aus, was würde mir dieses Wissen nützen? Mein Eindruck ist, dass es eher dazu verleitet, die Dinge einfach laufen zu lassen und nichts mehr wirklich wichtig zu nehmen. Es befreit mich nämlich nicht davon, mich in der Gesellschaft und in dieser Welt zurechtzufinden und zu organisieren. Heißt, mich mit dem zu beschäftigen, womit sich alle anderen auch beschäftigen. Das kann sich nun einmal niemand aussuchen.

Also spielt es, zumindest für mich, keine Rolle, ob ich ein Schmetterling bin, der träumt, ein Mensch zu sein – oder umgekehrt. Beide, Mensch wie Schmetterling, müssen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Daran ändert sich auch nichts, wenn alles nur ein Traum ist. Und auch die Tatsache, dass die Physiker herausgefunden haben, dass Geist wesentlicher ist als Materie, denn Materie gibt es irgendwie gar nicht, ändert daran nichts, dass ich noch immer hier sitze und schreibe. Also sage ich dazu erst einmal „Nein“.

Aber es gibt eine andere Illusion, die sehr real und vor allem auch sehr wirklich ist – nämlich für mich ganz persönlich. Es ist die Illusion des aus sich selbst heraus existierenden „Ich“. Erlebe ich die Welt nicht mehr aus der mechanischen Perspektive der „alten“ Physik, sondern aus der quantenmechanischen Perspektive der „neuen“ Physik (und interessanter Weise auch wie aus der Perspektive des Zen), dann ist es zwar die selbe Welt, aber ich erlebe mich und die Welt vollkommen anders. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen stehen sich diametral und unvereinbar entgegen. Und meine Wahrnehmung definiert nun einmal die Welt, die ich zu erkennen vermag.

Aber da gibt es keine Diskussionen, das ist Fakt, dass das tatsächlich so ist – auch wenn das bisher nur wenige so sehen. Das verlangt, und das ist wohl die Schwierigkeit, dass wir auf eine ganz andere Art und Weise denken müssen, als wir es gemeinhin tun. Müssen und nicht müssten! Natalie Knopp hat das in ihrem Buch „Der Quantensprung des Denkens. Was wir von der modernen Quantenphysik lernen können.“ perfekt be- und umschrieben. Sie beschreibt eine vollkommen andere Art des Denkens, die unser normales Verständnis von der Wirklichkeit als Illusion entlarvt. Und da bleibt dann nichts anders als zu sagen:

Ja, es ist eine Illusion!“