Ist die Welt so eine Art Baukasten?

Irgendwie schon. Und wir wissen auch ansatzweise, wie das funktioniert. Doch das dann auch zu nutzen – gar nicht so einfach. Und da geht es schon los. Denn zuerst hatte ich nämlich geschrieben ‚ziemlich schwierig‘, habe mich dann aber eines Besseren besonnen und das geändert. Warum?

Die Macht der eigenen Stimmung

Gestern habe ich mit meinem Enkel per Video herumgeblödelt. Paul ist 3 ½ Jahre, und der kann das besser als ich, denn er lässt sich einfach auf das Medium ein, er denkt sich nichts Besonderes dabei. Als ich seine Mama fragte, wie es denn so geht, antwortete sie, dass er gerade einen Lagerkoller habe. Und sein Papa auch. Denn sie dürfen ja nicht so einfach aus dem Haus, Corona-Beschränkungen. (Es ist Ende März 2020, falls das mal jemand in 10 Jahren lesen sollte.) Ihre Stimmung und auch die Gestik wie ihre Mimik spiegelte genau das wieder: Einen Lagerkoller.

Da fragte ich mich hinterher, wie das zum einen ihr eigenes Erleben beeinflusst oder sogar definiert und was das bei Paul und seinem Papa auslöst oder verstärkt. Ich denke, es wird genau das sein, was sie denkt und sagt: Einen Lagerkoller. Wenn ich jemandem begegne und denke, dass der andere blöd ist, wird der mich kaum freundlich anschauen. Wenn ich ihn hingegen freundlich grüße, wird er das in vielen Fällen auch tun. Wie heißt es doch? ‚Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.’

Bereits bei solchen kleinen, alltäglichen Beispielen ist zu sehen, dass unsere eigene Stimmung nicht nur unser eigenes Erleben beeinflusst, sondern auch das anderer, mit denen wir zu tun haben. Übrigens auch virtuell! Also muss ich mir darüber im Klaren sein, dass meine Wortwahl nicht nur mich beeinflusst, sondern auch die oder den, die das möglicherweise lesen. Ich kann es ja nie wissen, oder?

Die Macht der eigenen Gedanken

Geschrieben wird darüber ja jede Menge. Und dass die eigenen Gedanken irgendwie etwas in uns bewirken, das wissen oder ahnen vielleicht viele. Doch wie kommt man da hin? Es gibt Beispiele, an denen man sich orientieren könnte. Oder auch kann. Wang Deshun etwa, 80 Jahre alt und durchtrainiert. Er beweist, dass dies kein Widerspruch sein muss. Mehr noch: Der Chinese, einst Schauspieler im Kampfsportfilmen, modelt zudem auf dem Laufsteg. Was macht er nur anders? Ganz einfach, er macht genau das, was auch ein 30jähriger machen würde: Er macht ganz einfach Sport. Und damit soll er mit 50 angefangen haben.

Aber geht das bei jedem in dem Alter? Wenn dann die Abnutzung zuschlägt? Ich weiß es nicht, aus meiner eigenen Erfahrung heraus bin ich aber sehr nachdenklich geworden. Muss ich erst einmal die Alterserscheinung für gegeben halten, um sie zu bekommen? Mir hat vor etwa 10 Jahren ein Orthopäde gesagt, dass mir meine Hüfte bald weh tun würde, sie sei ziemlich altersschwach. Also das Gelenk. Aber sie tut mir heute noch nicht weh. Eher im Gegenteil, ich bewege mich leichter als früher. Warum? Vielleicht weil Paul mich dazu zwingt, mich mehr zu bewegen?

Was wir allzu leicht übersehen ist ja, dass bis auf sehr wenige Ausnahmen (ich glaube die Linse) es keine Zelle im Körper gibt, die älter als etwa sieben Jahre ist, dann wird sie sozusagen durch eine Jüngere ersetzt. Was mich zu der Überlegung bringt, dass der Alterszustand meines Körpers ein rein mentales Thema zu sein scheint, aber kein Problem. Wie wäre ohne das Altern geistige Evolution möglich? Jedenfalls schwieriger, wenn immer die selben herumlaufen! Warum also nicht bis zum Tod fit bleiben?

Die Gestaltung der Welt durch Gedanken.

Dass Gedanken eine Macht haben, dass kann man wirklich nicht in Frage stellen. Doch gestalten wir damit auch die Welt? Die Quantenmechanik hat uns ja nicht nur eine Vielzahl neuer technischer Möglichkeiten beschert, sie hat auch eine Tür aufgestoßen in eine bis dahin unbekannte Welt. Ich kaue immer noch an der Tatsache, dass es Materie nicht in der Form gibt, wie ich früher dachte, sondern sie ihren Ursprung im Geist hat. Doch welcher Geist ist da gemeint? Etwa meiner? Oder ein universeller? Wir wissen ja schon lange, dass Bewusstsein die Welt gestaltet, auch wenn wir das immer wieder geflissentlich ignorieren. Aber nicht nur menschliches Bewusstsein, sondern Bewusstsein überhaupt.

Ja, daran sollten wir uns so langsam gewöhnen, dass wir die Welt mit allen anderen zusammen gestalten. Wie wir das machen? Ganz einfach durch das, was wir denken, durch unsere Ansichten, Überzeugungen und unsere Weltbilder. Ich frage mich bei solchen Gedanken, was ich wohl denke, dass mein Blutdruck noch immer zu hoch ist. Zwar besser, aber noch nicht im idealen Bereich. Denn organische Gründe, falls es die letztlich  überhaupt wirklich gibt, gibt es nicht. Und es wäre wohl auch nur die Symptomatik, nicht aber die eigentliche Ursache. Die, so denke ich jedenfalls, sehe ich im Geistigen.

Wie kann ich denken, wie ich denken möchte?

Das ist natürlich die Frage, die sich mir bei solchen Überlegungen regelrecht aufdrängt. In einem bin ich mir sicher, nämlich darin, dass es garantiert nicht klappt, wenn ich es will. Ich kann ja auch nicht mein Frühstück verdauen, nur weil ich es will, sondern weil ich es eben mache. Mit Wollen funktioniert das definitiv nicht. Also kann ich meine Gedanken nicht in eine bestimmte Richtung mal eben so lenken, Das funktioniert nicht. Doch warum gelingt es mir morgens im Badezimmer immer besser, auf einem Bein balancierend meine Unterhose anzuziehen?

Früher habe ich mich dazu immer auf den Badewannenrand gesetzt. Klar habe ich es mir vorgenommen, doch mit wollen hat das nichts zu tun, absolut nichts. Immer wenn ich mich darauf fokussiere, fange ich an zu wackeln. Das geht dann vorbei, wenn ich wieder defokussiert auf das innere Bild von mir selbst schaue. Auch das kann ich beabsichtigen, aber nur als Initialzündung, um damit anzufangen, wenn ich es dann tue, hat mein Wollen aber Sendepause. Sonst klappt es nicht. Ich kann es zwar machen, aber nicht machen wollen.

Wenn also ‚wollen‘ nicht funktioniert, wie kann ich es dann trotzdem realisieren? Das obige Beispiel zeigt ja, dass es geht. Was also habe ich getan? Ich habe einen Entschluss gefasst und dann damit begonnen, sicher auf einem Bein stehen zu können, geübt. Das funktioniert nicht, wenn ich fokussiert auf etwas schaue, sondern es funktioniert immer besser, je mehr ich es geübt habe und wenn ich defokussiert nach innen schaue, Dann habe ich mit einem Mal ein inneres Bild von mir inclusive der Unterhose, doch ich schaue gerade nicht fokussiert darauf. Ich schaue nach innen und nicht nach außen.

Anders denken üben

Immer, wenn es ‚eng‘ wird, ist es meist richtig, defokussiert zu schauen und eben nicht fokussiert. Etwa, wenn ich im Auto durch eine enge Baustelle fahre. Da fokussiere ich zwar wie sonst auch die Linienführung der Straße und was sich vor mir ereignet, doch was rechts und links liegt, das nehme ich allein defokussiert wahr, wenn auch nicht als inneres Bild. Aber es ähnelt dem doch sehr. Wir Menschen haben ja in unserem biologischen ‚Erbe‘ drei Optionen, mit schwierigen Situationen umzugehen: Flucht, Angriff oder Totstellen. Das mit dem Erbe steht in Anführungszeichen, denn das ist kein zwingendes Erbe, ich kann mich trainieren, anders zu reagieren. Eben so, wie ich es verstandesmäßig tun würde –  erst einmal. Denn wirklich machen werde ich es dann – siehe oben – nicht mit dem Verstand und durch Überlegung, sondern weil ich es implizit mache.

Die wichtige Frage ist selbstredend, wie ich das üben kann, denn solche Situationen kommen ja nicht so oft vor. Es ist relativ einfach, ich muss nur mein Verhalten, meine innere Haltung entsprechend üben, ganz einfach dadurch, dass ich meinen Alltag entsprechend gestalte. Tue ich das, dann steht sie mir auch mehr und mehr in herausfordernden Situationen zur Verfügung.

Die Welt ist definitiv ein Baukasten!

Je mehr ich mich darauf einlasse und es auch ernsthaft praktiziere, desto mehr werde ich die Erfahrung machen, dass die Welt tatsächlich ein Baukasten ist. Natürlich nicht nach Gusto, das keinesfalls. Ein paar Grundsätze sollte ich da schon beachten, um nicht ständig vor der Wand zu stehen und nicht weiterkommen. Da ist als erstes die Tatsache, dass das gesamte Universum, der gesamte Kosmos, Gesetzmäßigkeiten unterliegt beziehungsweise folgt. Auch, wenn wir noch nicht so wirklich verstehen, wie der Kosmos und das Leben darin entstanden sind, so ahnen wir doch mittlerweile, wie das wohl funktioniert haben könnte. Und wir sind auch vielfach in der Lage, dies im Versuch zu reproduzieren. Leider mit manchmal verheerenden Wirkungen.

Unser Bild von der Welt wird immer klarer und präziser. Und das umfasst auch die Bedeutung, die Bewusstsein dabei hat, aber nicht nur das menschliche, sondern Bewusstsein überhaupt. Daher sollte ich diesen Baukasten nicht mit den Lego-Baukästen meiner Enkel gleichsetzen, den die Welt ist um einiges komplexer. Aber es gibt Strukturen, etwa dass viele Dinge aus Fraktalen zusammengesetzt sind, das etwa ein Körper nichts anderes ist als der Zusammenschluss von extrem vielen Zellen, dass Selbstorganisation und systemische Regeln eine ganz wesentliche Rolle spielen und, und, und … .

Dabei muss mir auch bewusst sein, wo ich anfange. Meine Enkel mussten wie auch ich und jeder andere sprechen lernen, bevor sie sich überhaupt sprachlich artikulieren konnten. Und dazu brauche ich eben explizites Wissen, um daraus implizites Wissen machen zu können, es also anwenden zu können. Ohne das geht es einfach nicht.

Die Welt ist also ein Baukasten – doch nur soweit ich das Bauen auch beherrsche.