Konfrontation

Konfrontation ist ganz klar die effektivste Methode, um einen anderen auf etwas für ihn Bedeutsames hinzuweisen, was er an sich hat, jedoch selbst nicht sieht. Oder wenn das Neue im Gegensatz zu dem bisherigen Weltbild steht, also das Weltbild von unzutreffenden Annahmen ausgeht. Doch leider ist die Konfrontation auch ein perfektes Instrument, um Beziehungen zu belasten, nämlich dann, wenn kein entsprechendes Kommitment zwischen den Beteiligten vorhanden ist.

Der, der den anderen mit etwas konfrontiert, bringt damit ja ganz klar zum Ausdruck, dass er etwas besser oder überhaupt weiß, der andere aber nicht. Und das Üble ist, dass das, was er aussagt, das sagt er über den anderen. Die direkte Botschaft ist klar: Du denkst oder handelst nicht richtig. Das ist eine Anmaßung, wenn der andere das nicht bereit ist, hinzunehmen; jedoch es ist eine Hilfe, wenn er sich darauf einlässt. Es ist also der andere (!) der entscheidet, was es ist, Anmaßung oder Hilfe.

Wenn er sich darauf einlassen kann, also bereit ist, die eigene Meinung einmal beiseite zu stellen, dann hat er nicht nur die Chance, etwas Neues zu erkennen, sondern auch, ob der andere ihm Blödsinn erzählt. Der Darlegung von Unfug darf man im Sinne des Aikido nie entgegentreten, denn dann entlarvt sie sich selbst als falsch, sie stolpert nämlich über ihre eigenen Füße. Man braucht sie nur nicht zu glauben, sondern verifizieren.

Manchmal fällt es einem jedoch schwer, sich wirklich auf einen anderen einzulassen, ihm also nicht nur hinter der Maske der Konvention verborgen zu begegnen, sondern offen und von Angesicht zu Angesicht. Der Grund dafür liegt darin, dass man etwas Eigenes nicht wahrhaben will, also die Erkenntnis der eigenen Wirklichkeit oder Wahrheit abzuwehren sucht. Denn ließe man sich auf den anderen ein, könnte einem ja nichts passieren. Siehe oben.

Konfrontation setzt also ein klares Kommitment der Beteiligten voraus, in eine dialogische Exploration der Wirklichkeit einzutauchen. Das beinhaltet die Fähigkeit und vor allem die Bereitschaft, die eigenen Ansichten immer wieder auf dem Ambos der Wirklichkeit geradezubiegen oder eben auch geradebiegen zu lassen. Nur so kann man der Wahrheit auf den Grund gehen, dabei nie vergessend, dass man ihrer nie zur Gänze wahrhaftig werden kann. Aber man muss das Unmögliche anstreben, um das Mögliche erreichen zu können.

Das bedeutet natürlich, dass der Konjunktiv absolut tabu ist. Man darf sich keine Hintertürchen mehr offen lassen. Nur wenn die Wahrheit in der Konvention keinen Ausweg mehr findet, wird sie sich zeigen – und die Konvention wird zerplatzen. Solange man sich jedoch ein Hintertürchen offen hält ist das so, wie wenn sich mein Enkel mit drei Jahren die Augen zuhält und glaubt, man würde ihn nicht sehen.

Manchmal ist es aber auch ganz banal. Man ist einfach nicht bereit, anders zu leben, denn anders zu sein bedeutet auch, anders zu leben. Und wer das nicht will, will sich eben auch nicht der Wahrheit annähern. Dumm nur, dass er sich dessen nicht einmal bewusst ist.

Konfrontation ohne Vereinbarung ist also ein No-go.