Mein Hirn ist, was es isst

Und nicht nur das. Diese Überlegung drängte sich mir regelrecht auf, als ich das Video ‚Unser Hirn ist, was es isst‘ von Arte ansah. Wenn mein Gehirn derart auf das reagiert, was ich esse, wenn es durch eine erhöhte Fett- und Zuckeraufnahme regelrecht umprogrammiert wird, welchen Einfluss hat dann das, was ich tagtäglich mit den Augen oder Ohren aufnehme und in mein Gehirn zur weiteren Verarbeitung weiterleite? Sicher keinen neutralen!

Also werde ich nicht nur meinen Essensplan und meine Essgewohnheiten überarbeiten, sondern auch, wie ich mein Lebensumfeld gestalte. Dabei kommt es wohl nicht darauf an, dass ich aufräume, sondern mit welcher Intension ich es tue. Kürzlich habe ich einen Text über Mosché Feldenkrais und seine Methodik gelesen, in dem es vor allem um eine Änderung der eigenen Einstellungen ging, nämlich weg von dem ‚Was‘ hin zu dem ‚Wie‘ ich etwas tue.

Also kein Mainstream mehr, sonder Ästhetik und Qualität. Da fällt mir sofort das Buch von Malte Härtig ‚Kaiseki – Die Weisheit der japanischen Küche‘ ein. Da geht es vor allem um die Philosophie, die hinter der japanischen Kochkunst steht. Das Leben ist ja bekanntlich wie es ist, doch das bedeutet gerade nicht, dass es nicht auch anders sein könnte. In Zukunft natürlich nur. Um diese zentralste und einfachste Weisheit des Lebens wirklich zu verstehen, was gewissermaßen einer Erleuchtung gleichkommt, bedarf es schon mal eines kleinen Umwegs – etwa der sehr komplizierten und komplexen Form des Teetrinkens wie in der japanischen Teezeremonie. Sagt Härtig.

Für mich als Kaffeetrinker kommt das eher nicht in Frage. Doch das ist überhaupt kein Problem, denn ich brauche mir nur die Prinzipien des Teeweges zu vergegenwärtigen und die dann bei den Dingen umzusetzen, die ich tue. Es sind vier Prinzipien, die es zu beachten gilt:

和 (Wa) bedeutet Harmonie,
敬 (Kei) heißt Hochachtung, Ehrfurcht und Respekt,
清 (Sei) meint die Reinheit, Sauberkeit und Ordnung der Dinge,
寂 (Jaku) bedeutet Stille.

Dabei ist es verführerisch, sich von der sicherlich beeindruckende Äußerlichkeit einer solchen Teezeremonie einfangen zu lassen. Doch darum geht es überhaupt nicht, es geht allein um die Prinzipien. Also sollte ich alles, was ich tue, in dieser Haltung tun. Etwa morgen, wenn ich mit dem Motorrad unterwegs sein werde. Und warum sollte dem nicht auch mein Zimmer entsprechen? Bei einem Punkt oder Thema fange ich an und habe ich das intus, kommt der nächste hinzu.