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Was ist Wirklichkeit?

Die Frage nach meinem Weltbild kann ich nicht stellen kann, aber ich sollte mir dessen stets bewusst sein. Stellen kann ich sie mir nicht, denn mein Weltbild kann ich vielleicht andeutungsweise beschreiben, aber sicher nicht die Wirklichkeit. Die kann ich nur sehen.

Das Einzige, was ich beschreiben kann, das ist, wie ich Wirklichkeit erlebe, mehr aber auch nicht. Was ich mir jedoch bewusst sein kann, das ist, ob ich mich in meinem Weltbild bewege – oder in der Wirklichkeit. In der Wirklichkeit bin ich nämlich nur dann, wenn ich mir keiner Sache bewusst bin und da auch kein ‚Ich‘ ist, auch keine Emotionen, nur Empfindungen; ich andererseits vollkommen bewusst und klar bin.

Kleiner, feiner Unterschied: Bin ich bewusst oder bin ich mir bewusst? Obwohl, ‚klein’ stimmt nicht, denn es ist ein gewaltiger Unterschied, es ist der Unterschied, der den Unterschied macht, wie Gregory Bateson sagen würde. Was ich oft für die Wirklichkeit halte, ist doch nur mein Weltbild.

In der Wirklichkeit bin ich also erst dann angekommen, wenn ich selbst in meinem Denken nicht mehr anwesend bin, wenn ich also zu dem geworden bin, was ich gerade tue. Das kann im Wald laufen sein wie beim Motorradfahren, aber auch beim Schreiben oder Reden.

Selbstverständlich bedeutet das nicht, meine Emotionen ‚abzustellen‘, sondern sie einfach nicht zu haben. Genauso wenig wie es bedeutet, mich rauszuhalten, wo es etwas zu sagen gibt und meinen Mund zu halten, aus ‚Rücksichtnahme‘ auf die durch die Konvention geprägten Gefühle des anderen.

Es bedeutet aber auch nicht, komme was wolle immer zu sagen, wie es ist (beziehungsweise was man glaubt, dass es so wäre) und auf den Gefühlen des anderen herumzutrampeln.

Bin ich an der Wirklichkeit und weniger an meinen Überzeugungen interessiert, dann ist es hilfreich, auf meine Empfindungen zu achten und mich auf sie meditativ (!) einzulassen, statt mich von meinen Gefühlen davonschwemmen oder mich von meinen Emotionen mitreißen zu lassen.

Das bedeutet jedoch nicht, auf Wissen zu verzichten. Je mehr ich über die Zusammenhänge weiß, etwa, das ich selbst prozesshaft lebe, desto schneller komme ich in der Wirklichkeit an. Auch hier gilt, dass ich es nicht positiv ‚wollen‘ kann, ich kann mich nur vor dem hüten, was es verhindert.

Es ist schon interessant, wie ich mir selbst mit meinen eigenen Überzeugungen im Weg stehen kann. Je mehr ich sein oder darstellen will, desto weniger lebe ich in der Wirklichkeit. Die Frage ist daher, was ich mit dem Wissen beabsichtige, das ich mir anzueignen suche: Will ich mein ‚Ich‘ stärken oder mein Verständnis für die Wirklichkeit?

Das Problem ist nur, dass man innerlich nicht still sein kann, so sehr man es auch möchte. Entweder, man hat es begriffen oder eben noch nicht. Jedenfalls mir geht es so. Tatsächlich geht es darum, sich dessen ‚nur’ bewusst zu sein. Nur kostet dieses ‚nur‘ ziemlich viel Selbstüberwindung.

Das stellt mich anfangs komplett in Frage.