Nicht klagen, sondern machen!

„Aber was?“, werden viele denken. Dabei ist das einfacher als man glauben mag. Natürlich geht es um das, was man ganz konkret tut. Ich lese gerade einen Artikel über Hans-Peter Dürr, der sich in seinem beruflichen Leben als Quantenphysiker gemeinsam mit Heisenberg der Aufgabe gewidmet hat herauszubekommen, was denn Materie eigentlich ist. Doch je genauer er und seine Kollegen hinschaute, desto klarer wurde ihnen, dass die Welt nicht wirklich aus Materie besteht.

Sie stellten etwas völlig Paradoxes fest, das dem normalen Denken nicht zugänglich ist Sie erkannten, dass diese beiden Aussagen, nämlich, dass Materie unser gesellschaftliches Leben bestimmt genauso wahr ist wie die Aussage, dass es keine Materie gibt. Es kommt nur auf den Kontext an, in dem die Frage gestellt wird. Wer also behauptet, es gäbe nur eine einzige Wahrheit, lügt – oder er weiß es einfach nicht besser, beziehungsweise er sieht nicht genau genug hin.

Man könnte auch sagen, dass Materie eine handfeste Illusion ist. Warum diese Illusion so weh tun würde, wenn ich durch eine ordentlich gemauerte Wand hindurch laufen wollte, ist eine nur sehr schwer zu erklärende Tatsache, die aber noch viel schwieriger zu verstehen ist. Es passt einfach nicht in das gewöhnliche Denken. Aber es ist so, wir können es nicht leugnen. Es sei denn natürlich, wir ignorieren all die Technik, die dadurch möglich wurde und die uns mittlerweile ganz selbstverständlich ist.

Während ich schreibe höre ich Musik von meinem CD-Spieler, den es ohne die Erkenntnisse der Quantenmechaniker überhaupt nicht geben könnte. Oder das Navi, das mich sicher dorthin führt, wo ich hin will. Eine lange Liste. Ein guter Grund, die Erkenntnisse der Quantenmechaniker nicht einfach zu ignorieren. Und die werden nicht müde zu betonen, dass Geist der Grundbaustein des Universum ist.

Also gehe ich einmal davon aus, dass das tatsächlich so ist. Was würde das jetzt für mich bedeuten? Also ich sitze gerade in meinem Sessel, höre Musik aus meiner Jugend, Simon & Garfunkel, träume ein bisschen vor mich hin und schreibe ein bisschen an diesem Text hier weiter, wenn mir gerade wieder ein Gedanke dazu hochgepoppt ist, er also fertig gedacht war. Wäre schon einmal interessant zu wissen, wie das Denken in meinem Gehirn eigentlich so vor sich geht und wie mein System das so anstellt, dass es denkt.

Also ich denke. Nur ist mir das nur zu ganz geringen Anteilen überhaupt bewusst. Doch was bedeutet das jetzt? Was sind Gedanken überhaupt? Energetische Strukturen? Schwingungen? Alles Begriffe, die ja oft ziemlich hirnlos verwandt werden. Es fängt schon bei dem Begriff Energie an. Energie entsteht nämlich nicht, die wird nur permanent gewandelt. Die Energie, die bei der Entstehung des Universums vorhanden war ist es noch immer, nur in einer anderer, vielfältig differenzierten Form. Und wenn Materie nichts anderes ist als geronnener, verdichteter Geist ist, dann sind auch meine Gedanken eine spezifische, aber leider völlig unbekannte Form von Energie.

Aber Energie. Jedenfalls gehe ich davon aus. Doch wenn das so ist, dann machen meine Gedanken nicht an meiner Schädeldecke halt. Die Frage, ob es überhaupt „meine“ sind, will ich einmal ganz außen vor lassen. Jedenfalls würde das einige der Phänomene erklären, die ich immer wieder erlebe, die ich meist aber schnell ad Acta lege, weil sie nicht so wirklich in mein Weltverständnis passen. Das fällt ja nicht besonders auf, denn es geht ja ziemlich allen so. Jedenfalls redet keiner darüber, also nicht mit mir.

Bedenke ich dann auch noch den Umstand, dass nach Ansicht der Physiker Geist die Grundlage des Existierenden ist, dann komme ich zwangsläufig zu der Überlegung , dass meine Gedanken in der Welt sind. Obwohl, eigentlich ist es meine Überzeugung. Weil es viele offene Fragen beantwortet. Die eigentliche Schwierigkeit ist eine ganz andere. Denn das bedeutet für mich eine Verantwortlichkeit, die ich da habe, die verdammt schwer auszuhalten ist, vor allem, da meine üblichen Lösungsansätze dafür vollkommen ungeeignet sind. Die Bedeutung dessen, was ich denke, geht also über mich hinaus. Und vielleicht weiter, als ich ahne.

Dieses Denken passier einfach in mir, ich habe darüber nicht die geringste Kontrolle. Doch irgendetwas muss ich tun, damit das nicht die wildesten Blüten treibt. Das ist nämlich nicht so einfach in einer Gesellschaft, die der Konvention weit mehr als der Wirklichkeit verpflichtet zu sein scheint. Ich muss also immer wieder bereit sein, meine Gedanken stets von neuem zu verifizieren und zu validieren.

Vor allem, ih darf mich nicht hängen und nicht anstecken lassen.