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Paradoxe Stabilität

Stabilität und Sicherheit sind sehr interessante Zustände. Und sehr paradox. Absolute Stabilität und absolute Sicherheit sind vollkommen ruhige Zustände.

Es sind tatsächlich ‚chaotische‘ Zustände, denn sie haben maximale Entropie und damit absolute Stabilität. Die Entropie ist ein Maß für die Unordnung, die ein System aufweist. Je höher die Unordnung ist, umso höher ist auch die Entropie.

Stabilität ist tatsächlich ein Synonym für Unordnung! Andererseits kennt jeder einen sehr geordneten Zustand, das Laufen. Betrachtet man das genauer, dann erkennt man leicht, dass es tatsächlich ein ständiger Wechsel zwischen instabilen Zuständen ist. Das ergibt dann die Stabilität des Laufens.

Fällt dieser Wechsel einmal aus, haben wir uns hingesetzt, freiwillig oder unfreiwillig. Werden die einzelnen Elemente nicht bewegt, ist das Ganze sozusagen tot. Daran können wir erkennen, dass ein geordneter Zustand nie stabil bleiben kann, sofern er lebendig sein will.

Werden die Dinge bewegt, tritt mit der Zeit ein ungeordneter Zustand mit höherer Entropie auf – sofern nicht wieder Energie und ein entsprechendes Ordnungsprinzip aufgewendet werden. (Mein Schreibtisch lässt grüßen!)

Stabilität ist der permanente Ausgleich instabiler Zustände, zum anderen braucht der Gesamtzustand Aufmerksamkeit und Konzentration. Doch nicht nur das, er braucht auch eine klare, wohl überlegte Ordnungsstruktur und ständige Energiezufuhr.

Letzteres erklärt auch sehr gut, warum ich früher öfter ein ordentliches Chaos auf meinem Schreibtisch hatte: Keine Zeit, mich darum zu kümmern! Die Folge davon ist der sogenannte Sägeblatt-Effekt, der dann wieder zur Folge hat, dass die Leistungsfähigkeit abnimmt

‚Wirkliche‘ Stabilität finde ich paradoxerweise nicht nur in der Akzeptanz der Instabilität, sondern indem ich mich vor allem auf dieses ‚Spiel‘ einlasse. Für körperliche Aktivitäten ist uns das ziemlich klar, da nennt man das dann Propriozeption. Doch bei der Haltung eines Menschen ist es genauso. Und beim Denken auch.

Wichtig ist dabei sich stets bewusst zu sein, dass ein Mehr an Stabilität Stabilität, bei genauer Betrachtung eine ‚eigentlich‘ unerwünschte Folge hat: Die Abnahme alternativer (Handlungs-) Möglichkeiten.

Je stabiler ein System wird, desto inflexibler wird es. Es gilt also ganz klar zu unterscheiden zwischen ungeordneten instabilen Zuständen, bei denen irgendetwas passiert und bei geordneten instabilen Zuständen, bei denen mit hoher Wahrscheinlichkeit das der Ordnung entsprechende geschehen wird.

Veröffentlicht in Allgemein