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Radikal anders

Anders zu denken bedeutet erst einmal jede Menge Selbstüberwindung. Es stellt mich letztlich komplett in Frage.

Früher bin ich mir vorgekommen wie Schrödingers Katze, die sich zitternd fragt, ob sie vielleicht schon tot ist und überlegt, ob sie es nur nicht weiß? Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich endlich dranmachte und zu überlegen begann, wie ich aus der Kiste heraus kommen kann – lebendig, versteht sich.

Was ich mit dem Bild sagen möchte: Es ist wie für die Fliege, die sich in einem Fliegenglas selbst gefangen hat. Man kommt letztlich nur auf dem Weg wieder heraus, auf dem man auch hineingekommen ist.

Schrödingers Katze ist mit Hilfe des Denkens der Quantenmechanik hineingekommen. Sozusagen. Daher kommt sie auch mit dem selben Denken wieder heraus. Das widerspricht scheinbar Einsteins Gedanke, dass man nicht auf dem selben Weg herauskommt, auf dem man hineingekommen ist. Aber eben nur scheinbar.

Tatsächlich macht man es wie die Katze auf dem Bild: Man dreht einfach den Spieß um. Wenn mein ‚Ich‘ mich eingesperrt hat, dann brauche ich nur mein ‚Ich‘ aufzulösen – und schon bin ich draußen. Gibt es kein ‚ich‘, kann ich ja nicht eingesperrt sein und auch nicht werden! Wer sollte mich da noch einsperren oder gefangen halten können?

Das bedeutet eine 180° Kehrtwende. Dafür braucht man schon starke Nerven, das eigene Denken (nicht sich selbst!) derart radikal in Frage zu stellen. Seit ich begriffen habe, dass mir das überhaupt nichts antun kann, sondern allein meinem Ego Schmerzen bereitet, seither habe ich damit (normalerweise) keine Probleme mehr.

Natürlich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob ein anderer oder ich selbst mein Denken in Frage stellt – auch wenn es in der Wirkung auf das absolut Identische hinausläuft.