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Wo anfangen?

Natürlich bei mir selbst! Schließlich bin ich der einzige Mensch, dessen Denken ich unmittelbar beeinflussen kann. Was aber ehrlich gesagt gar nicht so einfach ist. Das Denken an sich ist nämlich nicht das, was mir dabei Schwierigkeiten macht, das funktioniert ja von ganz alleine. Was also macht mein Denken aus?

Das erste Mal kam ich damit in Berührung, als ich meine Website gestaltete, damals noch selbst von Hand. Ich versuchte meinem Webmaster Zen-Denken näher zu bringen, er versuchte mir im Gegenzug Barrierefreiheit und CSS-Design rüber zu bringen. Es dauerte eine ganze Weil, bis wir begriffen, dass wir über dasselbe sprachen.

Auf der Seite CSS ZEN GARDEN ist das sehr gut sichtbar. Betrachte ich erst einmal diese und dann folgende Darstellung, dann ist offensichtlich, welche Seite wen anspricht. Das Faszinierende aber ist, dass der Eindruck, den die beiden Seiten hinterlassen, vollkommen entgegen gesetzt ist – obwohl der Inhalt absolut identisch ist.

Marshall McLuhan, seines Zeichens  Literaturkritiker, Rhetoriker und Kommunikationstheoretiker, hat das gleiche Phänomen für Medien erkannt. Seine zentrale These lautet ‚Das Medium ist die Botschaft‘. Mit anderen Worten: Die Form definiert den Inhalt. Man muss sich nur einmal fragen, wem man eher glaubt: Einem schlampig aussehenden Landstreicher oder doch lieber einem seriös erscheinenden Professor?

Das ist natürlich nur das Äußere, könnte man jedenfalls annehmen. Ist es aber nicht wirklich, jedenfalls nicht beim Denken. So ist die berühmte Schrödingergleichung ziemlich einfach zu verstehen – vorausgesetzt, man hat als Form die Mathematik gewählt, um darüber zu sprechen. Versucht man es nämlich in Form der gewöhnlichen Sprache, hat man erhebliche Schwierigkeiten.

Weshalb? Weil wir für den Gegenstand der Schrödingergleichung einfach keine Vorstellung und damit keinen sprachlichen Begriff haben. Wie kann ich dem entkommen? Ganz einfach, in dem ich lebendige Dinge einmal genau betrachte. Dann merke ich sehr schnell, dass mein Gegenüber nicht ‚so‘ ist, sondern es kommt immer auf die Umstände an, die Situation, in der er sich befindet.

Mein Gegenüber ist also nicht so oder so, sondern er ist je-nachdem. Er ist ganz klar prozesshaft. Was ich erlebe ist immer nur der momentane Prozess – aber ‚ihn‘ erlebe ich nie! Umgangssprachlich bezeichnen wir einen Menschen oft ähnlich wie ein Auto wie eine Sache. Sieht mich ein Bekannter, dann denkt er vielleicht „Ah, der Zettel!“ Und da ich mal als Anwalt gearbeitet habe, sehen die meisten immer noch den Anwalt, wenn sie mich sehen. Nur auf das, was ich sage, achten sie dann selten, denn das passt nicht durch ihre Anwaltsbrille.

Sie sind erst einmal nur verwirrt, weil Form (Anwalt) und Inhalt (Nichts ist definiert) für sie nicht zusammenpassen. Ich entspreche einfach nicht ihrer Erwartungshaltung. Würden sie mich als Philosophen kennen, hätten sie wahrscheinlich keine Probleme mit dem, was ich sage. Fakt ist, dass sich meine Denkstruktur geändert hat und nicht mehr der eines Anwalts entspricht. Was natürlich auch bedeutet, dass ich ganz andere Denkinhalte generiere.

Meine bisherige berufliche Form – und damit meine frühere Denkstruktur – passt nicht zu meiner tatsächlichen Denkstruktur. Mit diesem Beispiel möchte ich deutlich machen, wie ich mich selbst aus meinem bisherigen Denken entlassen habe. Etwa, dass es keine objektiv feststellbaren Dinge gibt, so wenig wie man Dinge definieren kann, denn man kann sie nur beschreiben.

Ich gehe mittlerweile davon aus, dass es keine Grenze zwischen der Welt der Quanten und der klassischen Welt gibt – die gibt es nur in unserem Denken. Und ein Problem unserer Vorstellungskraft. Doch eines kann ich zweifelsfrei: Ich kann es denken! Nur mir eben nicht vorstellen! Und ich kann es auch erleben – im Flow!

Das ‚Problem‘ liegt nicht im Denken, sondern allein im ‚bewussten Denken‘.