Realität und Wirklichkeit

Die „Realität“ scheint ganz klar vor uns zu liegen. Man müsste nur die Augen richtig aufmachen. Doch genügt das schon? Oder sollten wir uns grundsätzlichere Gedanken jenseits unserer offensichtlichen Wahrnehmung machen? Viele glauben ja noch immer, dass die Welt, die sich uns zeigt, wenn wir einmal ganz genau hinschauen, so wie es die Physiker tun, nichts mit der Welt zu tun hat, in der wir zu leben glaube. Nur wie ist die Welt wirklich? Und was bedeutet das für mich?

Gedachte Wirklichkeit

Doch da hat sich vielleicht schon der erste Verständnisfehler eingeschlichen. Wir glauben, die Welt unmittelbar zu sehen, doch tatsächlich sehen wir sie nur mittelbar. Dazu muss ich mir nur klar machen, wie etwa das Auto, das ich auf der Straße sehe, überhaupt in meinen kopf kommen kann. Mit anderen Worten: Wie funktioniert Wahrnehmung überhaupt? Dazu müssen wir nur den Weg des Lichts genau verfolgen, das von dem Auto reflektiert wird oder von dem Geräusch ausgehen, das es macht.

Wenn wir das einmal ganz konsequent tun, ohne dabei einzelne Positionen zu überspringen, dann merken wir sehr schnell, dass das Bild des Autos oder das Geräusch, das es macht, letztlich in unserem Gehirn entsteht. Doch bei der Frage, wie dieses innere Bild dann wieder nach außen kommt, kommen wir ganz schnell ins Schleudern. Da gehen uns schlicht und einfach die Erklärungen aus. Jedenfalls den meisten von uns.

Was also tun wir mit dem Bild beziehungsweise mit dem Geräusch des Autos, das ja beides erst einmal nur in unserem Kopf existiert? Ganz einfach, wir denken es uns nach draußen, dort wo wir es zu sehen und zu hören glauben. Also ein rein gedachter Vorgang. Und wenn wir ehrlich sind, dann sollte uns auch klar sein, dass das eine Illusion ist. Nur die fällt uns nicht auf, ganz einfach deshalb, weil sich diese scheinbare Wirklichkeit ganz real anfühlt. Ob es nun tatsächlich auch so ist, wie wir es wahrzunehmen glauben oder eben nicht – wir denken es. Doch ist das wirklich so, oder ist es vielleicht noch verrückter? Und genau hier stehen wir, an der Schwelle zu einem neuen Verständnis von der Welt. Wagen wir also weiterzugehen in unserem Denken?

Bereit?

Es ist keine vollkommen unbekannte Welt, die sich uns da auftut, die Wissenschaftler kennen sie bereits ein Stück weit, sie ist nur für die meisten Menschen unbekannt; einfach deswegen, weil sie nicht über die Geräte verfügen, um sie wahrnehmen zu können, sie haben ja nur ihre ganz normalen Sinnesorgane. Daher können wir „Normalos“ die Welt dahinter auch nur anders denken – sofern wir bereit sind, uns darauf einzulassen. Doch das bedeutet erst einmal, aufzubrechen in ein uns noch nicht bekanntes Denken.

Das ist der erste Schritt: Bin ich dazu überhaupt bereit? Bin ich überhaupt bereit, meine bisherigen Ansichten nicht nur in Frage, sondern vielleicht auch vollkommen auf den Kopf zu stellen? Denn das wissen wir bereits, haben es schon zu oft gehört, nämlich dass das Weltbild der Quantenmechanik unsere bisherigen Annahmen über die Welt schlicht auf den Kopf stellen würde.

Darüber hinaus geht es auch nicht um eine andere Welt, es geht alleine um unser Verständnis von der Welt. Alles bleibt so, wie es schon immer war, nur wir werden es wahrscheinlich nur anders denken. Und denken Sie jetzt bloß nicht, dass es nur darum ginge, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Denn wir werden auch weiterhin das absolut Identische sehen. Jedoch, wir können die Welt auch anders denken, also unser Verständnis von der Welt unserem Wissen darüber anpassen. Darum geht es, und um nichts anderes!

Bereit!

Wenn ich mir also bewusst mache, dass ich das Auto überhaupt nicht wirklich sehen kann, so wie wir „sehen können“ üblicherweise verstehen, wenn ich die gedankliche Konstruktion dahinter erkenne und mir dieser gedanklichen Konstruktion auch ernsthaft bewusst bin und nicht nur so tue, als wäre sie mir wirklich bewusst, dann fällt es mir schon leichter, einmal darüber hinaus zu denken.

Ist man also bereit weiter zu denken, muss man sehr aufpassen, um nicht in mystizistische Spekulationen abzudriften oder einfach abzuschalten, nämlich dann, wenn man das Ganze gedanklich nicht mehr so richtig zu fassen bekommt. Die Herausforderung besteht wohl vor allem darin, das Ende offen zu lassen und dabei nicht das Gefühl zu haben, irgendwie versagt zu haben. Das eigene Nichtwissen erkennen und auch akzeptieren – für manche wirklich eine Herausforderung.

Wo fängt es an – wo hört es auf?

Wenn man sich dem Thema „Realität und Wirklichkeit“ wirklich zuwenden möchte, dann muss man wohl bei dem Grundsätzlichsten, was man weiß beziehungsweise, was man wissen kann – und was wir auch vielfach schlicht und einfach verdrängt haben, nicht wahrhaben wollen, einfach deshalb, weil es mit unserem tradierten Denken nicht kompatibel ist.

So wissen wir seit geraumer Zeit, dass nicht nur wir Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen miteinander und untereinander kommunizieren. Wir wissen nicht nur, dass der Wald eine zentrale Rolle für das Klima spielt, sondern wir wissen auch, dass die Bäume mit dem Klima in einem tatsächlichen kommunikativen Austausch miteinander stehen. Schwer vorstellbar, aber sie tun es – durch ätherische Öle.

Das in sich differenzierte Eine

Wenn die Welt tatsächlich „Eins“ ist, zwar in sich differenziert, aber eben Eins, dann nimmt uns das nicht unsere Möglichkeiten, sondern erweitert sie – vorausgesetzt, wir verstehen die Welt nicht nur besser, sondern grundsätzlicher als bisher. In der Vergangenheit haben wir uns von der Welt wohl in der Hoffnung distanziert, um mehr Möglichkeiten der Entfaltung zu haben.

Doch mittlerweile beginnen wir zu ahnen, dass es genau umgekehrt ist. Je klarer wir uns mit allem anderen verbunden sehen (und nicht nur fühlen!) und die grundsätzliche Struktur des Lebens deutlicher zu sehen und zu nutzen beginnen, desto genauer werden wir erkennen, dass sich uns aufgrund unseres Wissens über diese Zusammenhänge sich uns wesentlich mehr Möglichkeiten als bisher eröffnen.

Ein anderes Verständnis von allem

Wir sind zwar wie alles andere auch „Natur“, doch wir unterscheiden uns gewaltig von allem anderen Existierenden. Der Mensch hat – warum auch immer – ganz offensichtlich wesentlich mehr Möglichkeiten, sein Leben zu organisieren, wie es etwa ein Affe hat – auch wenn wir von dem evolutionär abstammen.

Wir Menschen sind also wie alles andere auch und doch sind wir wesentlich freier darin, unser Leben zu gestalten – aber eben in den Grenzen, die wir gerade zu erkennen beginnen. Und satt lange über den darin liegenden Sinn nachzugrübeln sollten wir das einfach annehmen und etwas daraus machen, ohne uns dabei als die Chefs aufzuführen.

Etwas zu wissen bedeutet gerade auch, verantwortlich damit umzugehen – und eben nicht egoistisch wie selbstbezogen. Gemeinschaft, Miteinander, Kooperation – das sind die Dinge, die dabei im Vordergrund stehen. Doch was wir tun, hat immer auch Auswirkungen auf alles andere. Das dürfen wir einfach nicht vergessen. Wir haben es schon zu lange ignoriert, was uns an den Rand des Abgrundes gebracht hat. Ich hoffe, wir ignorieren das nicht mehr. Doch worum geht es überhaupt?