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Schwierig, schwierig

Es ist sehr, sehr schwierig, genau genommen unmöglich, jemandem etwas gegen seinen Willen erklären zu wollen. Das liegt daran, dass wir das, was wir glauben, für absolut wahr halten, auch wenn es das nicht ist.

Und auch der, der ständig am Zweifeln ist, glaubt genauso mit absoluter Gewissheit, dass man sich auf nichts verlassen kann, nicht einmal auf sich selbst. Ich persönlich habe ja den Ruf, unbeirrbar auf meiner Meinung zu bestehen; doch nur die wenigsten wissen, dass ich meine Ansicht blitzartig ändere, wenn mir jemand logisch nachvollziehbar erklären kann, dass ich falsch liege.

Was nicht heißt, dass ich das sofort in mein Denksystem einbaue, erst einmal wird es noch verifiziert. Es besteht ein großer Unterscheid zwischen ‚Offenheit‘ und ‚Offenheit‘. Die einen sind offen für alles, ohne Unterschied, ich sage dazu Beliebigkeit. Die anderen sind offen für Neues, wobei sie ein klares Ziel haben. Ich etwa habe das Ziel, mehr über mich zu erkennen, was natürlich auch bedeutet, mehr über die Welt zu wissen. Der Unterscheid zwischen der Welt und mir ist ja nur ein Größenunterschied.

Wobei ich noch darauf hinweisen möchte, dass ich nicht glaube, ein Aspekt des Kosmos zu sein, sondern alles Existierende folgt den kosmischen Prinzipien, das Universum als solches gibt es nicht, nur eine Idee. Sozusagen. Ist wie bei dem Strand. Ganz viele Sandkörner, aber kein Strand. Nur ist der das Gelbe vom Ei, auch wenn es ihn sachlich nicht gibt. So wie ein Regenbogen, den es ja auch nicht gibt, nur ein Zusammenspiel von Wasser, Licht und einem Beobachter. Auch Musik ist nur eine Idee. Gerade höre ich Bachs Toccata und Fuge in D-Moll. Die Töne sind insoweit real, als es Luftschwingungen sind. Die Töne lassen mich ‚nur’ die Idee der Musik erfahren.

Wenn ich nun sage, dass es ist schwierig ist, anderen etwas vermitteln zu wollen, dann stellt sich die Frage, ob genau das nicht ein Trugschluss ist. Ich bin doch kein Mittler der Wahrheit oder einer Ansicht!? Also geht es nicht um Vermittlung! Erst einmal muss man feststellen, dass die meisten Menschen regelrecht Panik davor haben, nur über etwas nachzudenken, was nicht in ihr Weltbild passt. Wenn beispielsweise die Quantenphysik feststellt, dass alles mit allem verbunden ist, dann kommen wir uns ‚albern‘ vor.

Das sagt jedenfalls Danah Zohar. Sie sagt weiter, dass, wenn die Idee etwa von unseren Mitmenschen getrennt zu sein, unrealistisch sein könnte, mache uns das Angst. Sie sei verrückt, weggerückt von der Norm, unglaublich und scheine unmöglich – jedoch nur, weil wir unfähig sind, so zu denken. „Wenn man jemanden von seiner Überzeugung abzubringen versucht, verhält er sich wie ein Süchtiger.“ Das sagt Bernie Siegel. Einer der Gründe, weshalb Max Planck der Ansicht war, dass sich neue Paradigmen in der Wissenschaft nicht etwa durchsetzen, weil die ‚Alten‘ in der Lage wären über so etwas nachzudenken, sondern die neuen Paradigmen haben erst dann einen Chance, wenn die Alten aussterben.

Deswegen macht es ganz offensichtlich Sinn, sich wie ein kleines Kind vor die Tatsachen zu setzen und bereit zu sein, alle vorgefassten Meinungen aufzugeben. Sonst erfährt man nichts. Der Satz stammt nicht von mir, sondern von Thomas Henry Huxley. Aber er ist korrekt.

Vergleiche ich jetzt aber mich selbst mit der Musik, dem Strand oder dem Regenbogen, dann komme ich zu dem selben Resultat: Mich gibt es nicht, auch wenn da etwas erfahrbar ist. Das zu erkennen ist vielleicht die Voraussetzung überhaupt, um nicht in der Falle der Identifikation zu landen. Ich bin – wie jeder andere auch – eine Idee.

Die Panik entsteht, wenn ich mich mit etwas identifiziert habe und das aufgeben soll. Obwohl ich die Idee faszinierend finde, mich jederzeit selbst neu komponieren zu können, scheint das manchen viel zu anstrengend und herausfordernd zu sein. Da klammern sie sich doch lieber an die Illusion ihrer Identifikation.

Doch daraus lösen kann sich nur jeder selbst.

Published inAllgemein