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Selbstermächtigung

Wer hat oder wem gebe ich Macht über mich selbst? Oder habe ich die am Ende selbst?

Spannende Frage, oder nicht? Mein Weltbild ist wie ein Paar Kontaktlinsen, wenn ich sie erstmal eine Weile getragen und mich an sie gewöhnt habe, nehme ich sie nicht mehr bewusst wahr.

Der erste Schritt, um überhaupt erkennen zu können, welche Macht mein eigenes (!!) Weltbild über mich hat, ist mir meines eigenen Weltbildes überhaupt bewusst zu werden. Die, wenn Sie so wollen, besondere Herausforderung ist, wie ich mit der Tatsache umgehe, dass mein Weltbild immer Macht über mich haben wird.

Im Grunde bin ‚Ich‘ nichts anderes als dieses Weltbild. Sehe ich die Dinge als determiniert an, bin ich statisch. Sehe ich die Dinge als Folge eines Prozesses an, bin ich flexibel, eben prozesshaft. Glaube ich an einen freien Willen, dann mache ich mir mehr Gedanken über das, was ich tun werde, als wenn ich nicht daran glaube.

Woran ich glaube und wovon ich überzeugt bin, hat also definitiv Macht über mich – auch wenn ich mir dessen nicht unbedingt bewusst bin. Glaube ich daran, dass andere, etwa meine Eltern, macht über mich haben, dann lebe ich entsprechend, auch wenn das der Wirklichkeit nicht entspricht. Denn dieses Weltbild habe ich mir vor allem im Laufe meiner Kindheit, aber auch während meines Berufes angeeignet.

Die Betonung liegt dabei auf ‚Ich‘. Es ist schon immer meine eigene Entscheidung gewesen, wie ich auf Dinge reagiere. Was nicht davon ablenken soll, dass Eltern eine sehr große Rolle dabei spielen, wie sich ihre Kinder entscheiden. Andererseits gibt es mir eine Menge Freiheit zu erkennen, dass ich der Maler meines Weltbildes war und bin. Denn dann kann ich es auch ändern.

Mein Denken und mein Verstand erschafft ein Weltbild und dann handele ich im Einklang mit diesem Weltbild. Dadurch, dass ich bestimmte Dinge als wahr anerkenne und andere Dinge als Fantasie abtue, erschaffe ich mir eine Welt, die mein eigenes Weltbild bestätigt. Perfekte Falle. Und eine wirkliche Schlangengrube, wenn ich Pech habe.

Die Schwierigkeit ist nur, dass der Austritt aus ‚meiner‘ mir so gedachten Welt in die wirkliche Welt meist mit Einsichten verbunden ist, die eine vollkommene Neuorientierung erfordern. Als ich mein Weltbild zu hinterfragen begann habe ich mich sehr oft gefragt, wie beschert man (also ich) eigentlich sein kann. Und das hört niemand gerne.

Und genau das ist der Grund, der damit einhergehende Widerstand, das alte Weltbild aufzugeben, der eine ordentliche Erschütterung braucht, damit man endlich bereit ist, das eigene Denken in Frage zu stellen. Bei mir jedenfalls war es so. Erst als ich mir den Boden unter den Füßen weggezogen hatte war ich bereit zu erkennen, was Wirklich ist.

Was hatte ich alles gelesen, aber nicht wirklich begriffen. Die Mauer in meinem Kopf war einfach zu stabil. Aber mit der Zeit lernte ich, dass all die psychologischen Konzepte wie jedes andere Konzept auch eben nur das waren Konzepte – und eben keine Darstellung der Wirklichkeit, sondern eines Weltbildes.

Das zu erkennen ist die Voraussetzung, um zur Wirklichkeit gelangen zu können.