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Stimmigkeit

Ich kann nicht beurteilen, ob etwas stimmig ist, was ich noch nicht kenne. Ich kann zwar darüber reden, so wie tausende, meist Männer, vor dem Fernseher bei Fußballübertragungen ganz genau wissen, was zu tun wäre. Die Frage ist natürlich, ob sie es auch in Wirklichkeit könnten. Ich gehe davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit dafür eher gering ist.

Hinterher kann man immer sagen und sauber analysieren, wie etwas ‚gelaufen’ ist und was ‚man‘ hätte besser machen müssen oder können, doch leider nutzen all diese Strategien wenig, wenn man ein Spiel planen wollte. Aber dann wäre es ja auch kein Spiel mehr.

Bei der Rückschau kann man nur das reflektieren, was man gesehen und wahrgenommen hat. Mehr aber auch nicht. Die Komplexität, die (nicht nur) das Lebendigen ausmacht, bleibt dabei unberücksichtigt. Komplexität kann man nur theoretisch erörtern, erfahren kann man es nur im eigenen Handeln, nie in fremden.

Ich versuche, dies an dem Beispiel Motorradfahren deutlich zu machen. Wie ich eine Kurve fahren sollte ist mit ein wenig Verständnis für Physik leicht erklärt, nur bedeutet das nicht, dass man es damit auch schon könnte. Erst muss man es lernen, also ganz konkret tun.

Warum nehme ich hier so gerne das Beispiel ‚Motorradfahren‘? Ganz einfach, weil man sich selbst dabei vergessen muss, es darf kein ‚Ich‘ mehr anwesend sein. Wenn ich in der Kurve über etwas nachdenke, bekomme ich ganz leicht Kniekontakt mit dem Asphalt.

Ich lasse mich auch nach Möglichkeit von niemandem operieren, der noch darüber nachdenkt, was er da tut. Was also ist die stimmige Strategie? Was haben Motorradfahrer und Operateure gemeinsam, übrigens auch Musiker? Es ist der Flow.

Die stimmige Strategie hat also zwei Aspekte. Einmal die theoretische Technik und zum anderen den Flow, durch den ich diese bis dahin expliziten theoretischen Überlegungen zu implizitem Können werden lassen kann.

Habe ich jedoch die ‚falsche‘ Theorie, kann ich es auch nicht im Flow realisieren. Doch woran erkenne ich eine stimmige Theorie? Woran merke ich, dass etwas stimmig ist, dessen Stimmigkeit ich selbst jedoch noch nicht erfahren kann, also nur theoretisch darüber nachdenken kann?

Philosophien scheiden da leider aus. Da kann ich die Stimmigkeit nur erkennen, wenn ich mich sozusagen mit Haut und Haaren darauf einlasse. Also nehme ich den Umweg über die Quantenphysik. Erst einmal weiß ich, dass sie funktioniert. Das andere ist, dass sie jedoch nicht nur technisch interessante Antworten hat, sondern auch einige fundamentale Fragen aufwirft, auf die ich dann die Antwort selbst finden muss.

Quantenphysik gibt einerseits Antworten und wirft dabei gleichzeitig unbeantwortbare, fundamentale Fragen auf, übrigens die selben Fragen, mit denen sich auch der Buddhismus beschäftigt. Kein Wunder, dass die gut miteinander reden können!

Entscheidend ist also die konkrete Umsetzbarkeit der theoretischen Überlegungen in einem Zustand des Flow.

Published inAllgemeines