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Theorie und Praxis

Es gibt Menschen, die setzen Wissen schnell mit Kenntnissen gleich. Dabei besteht ein gewaltiger Unterschied.

„Wissen“ ist etwa so, als hätte ich den Kammschen Kreis verstanden, würde aber überhaupt nicht Motorrad fahren können.

Auch als Motorradfahrer kann ich den Kammschen Kreis verstehen, was jedoch noch lange nicht bedeutet, dass ich meinen Fahrstil entsprechend anders gestalten würde. Es wird eine ganze Weile dauern, bis das Wissen tatsächlich zur Kenntnis geworden ist.

Kenntnis ist vielleicht ein Zwischenstadium zwischen explizitem und implizitem Wissen. Erst dann, wenn ich aus diesem Wissen Kenntnis und dann implizites Wissen generiert habe, ist es verfügbares Wisse  – und nicht nur Theorie. Huang-po hat das in „Der Geist des Ch’an“ perfekt so ausgedrückt: „Die meisten Schüler des Weges sind durch den Dharma erleuchtet, der in Worten gelehrt wird, nicht durch den Dharma des Geistes.“

Mit anderen Worten: Wissen ist unverzichtbar, solange ich es aber nicht wirklich verinnerlicht habe, ich es also nicht intuitiv abrufen kann, kann ich damit nichts anfangen, nur darüber reden. Zu schnell wird übersehen, dass Wissen unverzichtbar ist, aber für sich alleine nutzlos ist.

Wissen muss also intuitiv angewendet werden können, ohne dass ich darüber nachdenken müsste, damit es für etwas gut sei  kann. Ohne Wissen geht es aber auch nicht, was ja leider manche denken. Das Witzige ist nur, je weniger ich sagen kann, was ich gerade tue, desto besser. Ich muss das Wissen aus der gedanklichen Oberfläche in die nicht bewusste Tiefe bringen.

Habe ich Wissen verinnerlicht, ist es nicht mehr das, was es vorher war. Etwa so wie ein Schnaps in meinem Glas. Trinke ich ihn, ist es zwar immer noch Schnaps, aber das Glas ist leer, nur ich bin irgendwie anders. Und der Schnaps ist nicht mehr greifbar.

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