Totalität

Viele Menschen wollen zu sich finden, ihre wahre Natur erkennen. Das wollte ich auch lange Zeit, bis ich endlich begriff, dass ich bin, der ich bin. Da ist nichts mit sein wollen oder so etwas. Ich bin der, der ich bin. Und Punkt. Eine fast beängstigende Totalität.

Das bedeutet leider nicht, dass das auch gut wäre. Oder immer richtig. Sehr gut sieht man das bei den Hells Angels. Die gibt es in der netten und der gewalttätigen Variante. Oder bei den Yakuza, die sich selbst als ritterliche Organisation verstehen. Sie repräsentieren die ‚Bösen‘, wohingegen die ‚bushi‘ für die Guten stehen, Samurai, die nach den Regeln des Bushidō für den Frieden eintraten.

Mit anderen Worten: ich bin immer – und zwar wirklich immer, also total – der, der ich bin. Und ich bin exakt so, wie ich denke. Bin ich freundlich, bin ich es. Bin ich oberflächlich, bin ich auch das. Die Totalität, die bei machen Menschen in ihrem Verhalten sichtbar wird, ist tatsächlich die Totalität ihres Denkens.

Totalität ist also nichts, was ich sein könnte, denn ich bin es. Immer. Doch das bedeutet nicht, dass ich bleiben müsste, wie ich bin. Ändert sich mein Denken, dann ändere auch ich mich. Wobei ich Schwierigkeiten habe zu sagen, dass ‚ich‘ mein Denken ändern könnte, denn das kann ich nicht.

Es ist nicht das Wollen, das mich anders sein lässt, sondern die Erkenntnis, wie ich wirklich bin. Es ist, wie ich unter dem Text ‚Wie bin ich wirklich‘ zu beschreiben versucht habe. Bei dem Motorrad ist klar, woran ich mich ‚messe‘. Doch woran messe ich mich im alltäglichen Leben?

Es geht also um die Ideologie und die Werte, nach denen ich wirklich lebe und nicht um die, über die ich diskutiere oder über die ich rede und schreibe. Als ich mir bewusst wurde, dass ich diese immanenten Werte total ausdrücke, ist mir das ordentlich in die Knochen gefahren, denn darin wird eine immense Macht erkennbar.

Und die haben wir fraglos. Es geht darum, uns dieser Tatsache auch bewusst zu sein. In der Natur findet Beziehung vollkommen selbstverständlich ‚einfach‘ statt, wohingegen wir Menschen in der Lage sind, uns trotz geeigneter Bedingungen einer konstruktiven Form der Kommunikation und des Miteinander zu verweigern und die Selbstorganisation und damit unsere eigene Weiterentwicklung zu verhindern.

Ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn wir uns dessen bewusst sind, wir bereit sein werden, einen wirklichen Dialog zu führen und miteinander zu ergründen, was zu tun ist. Denn wir sind, wie wir eben sind. Und um das zu erkennen, brauchen wir den Dialog.