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Und täglich grüßt das Murmeltier

Nein, das ist keine Rezension zu dem Film von Harold Ramis, sondern ein aktueller Blick auf die Menschheit. Gerade lese ich Gedichte von Ikkyu Sôjun, ein Zen-Mensch, der im 15 Jahrhundert lebte. Dieses etwa:

Die Harmonie in meinem Kloster
Ist gestört durch Zwistigkeiten
Am Brunnenrand
Kämpft jeder Frosch
Um sein Zipfelchen Ansehen –
Tag und Nacht
Füllen Buchstaben den Sinn
Streit um Nuancen
Wie gut er selbst doch sei –
Schlecht sind die anderen –
Darüber lärmt der Mensch
Zeitlebens.

Wenn ich das lese, könnte ich heulen. Haben wir Menschen denn immer noch nicht begriffen, was wir da tun? Oder der Text ‚Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen’ von Étienne de La Boétie. Oder ‚Im Land der Blinden‘  von H. G. Wells. Oder ‚1984‘ von George Orwell. Oder ‚Schöne neue Welt‘ von Aldous Huxley. Oder die Bücher von Erich Fromm. Oder die von Arno Gruen. Oder …

Ganz offensichtlich haben wir noch nicht begriffen, dass es stimmt, was Jiddu Krishnamurti gesagt hat, nämlich dass es nicht von geistiger Gesundheit zeugt, wenn man an eine kranke Gesellschaft angepasst ist.

Hören wir doch endlich auf uns die Welt (also unser eigenes Verhalten!) schön zu reden und sehen endlich, was wir da tun. Wir müssen endlich kapieren, dass die Texte und Bücher von Boétie, von Wells, von Orwell, von Huxley von Fromm, von Gruen und all den anderen Spiegel sind, in dem wir uns selbst und eben nicht die anderen erkennen könnten.

Wann sind wir endlich bereit, dem Murmeltier die rote Karte zu zeigen?

Published inGedanken