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Und jetzt?

Ja, das ist die wichtigste Frage überhaupt. Was mache ich jetzt mit diesem Wissen oder dieser Ahnung von mir selbst? Verändert das mein Leben? Welche Möglichkeiten werde ich haben, auf den lauf der Dinge Einfluss zu nehmen?

Das sind die Fragen, die einen wahrscheinlich unweigerlich überfallen, wenn man sich einmal mit den fundamentalen Fragen der Quantenphysik (oder den Gedanken des Zen) beschäftigt. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb man sich überhaupt damit zu beschäftigen begonnen hat?

Mir ist jedenfalls klar geworden, dass die Spielregeln des Kosmos die selben sind wie die Regeln, die mich sein lassen. Je besser ich die kosmischen Regeln kenne, desto besser ist das für mich. Und es wird nochmal besser, wenn ich den zivilisatorischen Gedankenmüll loswerde.

Nur muss ich aufpassen, danach den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. Es gibt die einen, die angesichts der faszinierenden Welt der Quanten regelrecht abheben, so wie es auch die gibt, die das Vorurteil, die Quantentheorie sei unverstehbar und zudem nur auf den Bereich der Atome beschränkt, als Begründung nutzen, dass sich mit der Quantentheorie erst gar nicht beschäftigen.

Beide Haltungen führen meines Erachtens nach in eine denkerische Sackgasse. Es braucht eben wie so oft im Leben das rechte Maß. Es beginnt damit, dass ich mich öffne für die Wunder und das Mysterium des Kosmos, dabei aber schön die (Gedanken-) Füße still halte und von dem ausgehe, was ich weiß.

Ich bleibe also stets mit der Erde verbunden, habe dabei aber stets die Weite des Himmels im Blick. Praktisch heißt das, dass ich den Zustand des Flow zu intensivieren suche, den kenne ich ja. Heißt, dass ich alles wegräume, was diesen Zustand behindern könnte.

Ich mache das nicht nur deshalb, weil es ein tolles Gefühl ist, sondern weil ich weiß, dass allein in diesem Zustand Selbstorganisation möglich werden kann. Und je mehr ich über meinen biologischen und molekularen Aufbau weiß, desto mehr baue ich Schranken ab. Dabei suche ich nach hilfreichen Informationen, denn das erweitert meinen Aktionsradius.

Das Bewusstsein dafür, dass ‚Geist‘ am Anfang alles Existierenden steht und dass ‚Informationen‘ eine zentrale Rolle zukommen, lässt mich sehr bewusst und achtsam nicht nur handeln, sondern vor allem auch denken. Das beginnt damit, dass ich mir bewusst bin, dass für mich die Welt erst einmal nur in meinem Kopf existiert und ich demzufolge sehr achtsam damit umgehen sollte, wovon ich ausgehe und worüber ich nachdenke oder rede.

Ich bin mir bewusst, dass es für mich unverzichtbar ist, neues Wissen immer selbst zu verifizieren und nicht einfach nur zu glauben. Ganz abgesehen davon, dass wir wissen, dass uns geistige Herausforderungen auch geistig fit halten. Vor allem höre ich auf, mich der Natur überlegen zu fühlen, denn das bin ich nicht. Aber da ich selbst ja auch Natur bin, habe ich die Option, irgendwann doch mit allem mitzuschwingen – und nicht nur darüber zu fabulieren.

Im Grunde ist es sehr einfach. Ich brauche mich nur an diesen Prinzipien zu orientieren:

◦ Nichts ist beständig
◦ Alles bedingt einander
◦ Nichts existiert aus sich selbst heraus
◦ Alles ist das in sich differenzierte Eine 

Daraus lassen sich für mich klare ‚Anweisungen‘ für mein Leben ableiten. Etwa der Gedanke des ‚Ichi-go ichi-e‘, womit zum Ausdruck gebracht wird, dass wir nur in diesem Augenblick jetzt leben. Eigentlich sehr logisch, wann sollte ich sonst auch leben?

Oder das Prinzip des Dan-Sha-Ri, übertragen auf das Denken (und überhaupt): Dan bedeutet unnötige Dinge nicht ins Leben gelangen lassen, Sha alles aus dem Geist entfernen, was ein Ich-Denken aufbaut und alles, was nicht der Wirklichkeit entspricht und Ri, mich durch die Verinnerlichung von Dan und Sha vom Streben nach zu vielen Gedanken befreien, zu geistiger Freiheit finden und mich auf das Wesentliche im Leben konzentrieren.

Solche Gedanken finde ich auch in den Leitsätzen des Dōjōkun, den Regeln des Budō, die auf Bodhidharma und die nur in dem egoistischen Denken mancher etwas mit Kampf zu tun haben. Das heißt für mich nach der Perfektion des Charakters zu streben, dem Ideal der Wahrheit zu folgen, meinen Geist zu kultivieren, die Regeln (meiner!!) Etikette zu achten und mich vor ungestümem Übermut zu hüten.