Warum ich es für elementar wichtig halte, anders zu denken

Ich weiß, ich soll nicht nach dem „Warum“ fragen. Aber hier will ich es mal tun. Warum also könnte es wichtig sein, anders zu denken? Ganz einfach, weil man Probleme niemals mit derselben Denkweise lösen kann, durch die sie entstanden sind. Sage nicht nur ich, sondern auch Albert Einstein, von dem das Zitat stammt. Wenn wir einmal darauf achten, wie wir mit den „Herausforderungen“ in beruflichen, privaten oder gesellschaftlichen Beziehungen umgehen, kann man regelmäßig folgendes Prinzip erkennen: „Aktion = Reaktion = Reaktion auf die Reaktion = usw.“ Oder anders gesagt: „Bewegung = Gegenbewegung = Gegenbewegung gegen die Gegenbewegung = usw.“

Wenn ich mich zu dick fühle und jemand möchte mir was Gutes tun und sagt „Aber wieso, du bist doch gar nicht dick?“, werde ich mich dann besser oder schlechter fühlen? Genau. Schlechter. Unser Selbstwert funktioniert manchmal ziemlich paradox. Wenn er mich aber fragen würde „Wieso fühlst du dich dick?“, dann könnte ich ihm all mein Leid klagen und er könnte mir vielleicht helfen, indem wir meine Waage einmal untersuchen, ob die auch richtig geht oder in Vergleichstabellen nach dem Body-Mass-Index schauen und meine Werte mal vergleichen und feststellen, dass ich eigentlich gar nicht zu dick bin. Und dann kämen wir vielleicht darauf, dass das Problem ganz wo anders sitzt. Und das Problem wäre weg und die Lösung in Sicht.

Paul Watzlawick nennt die konfliktverschärfende Art des Umgangs mit Problemen „Lösungen erster Ordnung“. Man nimmt das verstandesmäßig Naheliegende, was wieder zu neuen Gegenbewegungen und Reaktionen führt, eine Art Teufelskreis. Darüber hinaus gibt es nach Watzlawick die „Lösungen zweiter Ordnung“, die er als erfolgsversprechender ansieht. Sie sind im Gegensatz zu den verstandesgemäßen Lösungen erster Ordnung oft absurd und unerwartet. Sie sind ihrem Wesen nach überraschend und verlassen die alte Denkweise; es werden keine Ursachen gesucht, sondern Wirkungen in der Kommunikation verändert.

Also nützt es nichts, wenn ich dem SUV-Fahrer erkläre, wie umweltschädlich das ist, er wird nur bockig. Frage ich ihn hingegen, warum er dieses Auto fährt, werde ich letztlich bei der Sehnsucht nach dem Lebensgefühl ankommen, das ihn ein solches Teil fahren lässt. Autowerbung ist voller unerfüllter Sehnsüchte, die dann mit dem Kauf des jeweiligen Autos kompensiert werden, erfüllen kann man sie damit ja nicht. Aber kompensieren.

Die übliche sachliche Logik funktioniert dann nicht, wenn es um menschliches Verhalten geht. Und genau deswegen werden die Menschen auch ihren Marketingcharakter nicht los und erliegen damit selbst immer wieder dem Konsum. Es sind nicht die bösen Chefs, die das bewerkstelligen, es ist ein Teufelskreis. Und aus dem kann man nur mit einem anderen Denken ausbrechen. Unsere übliche Logik versagt da jämmerlich. Beziehe ich das einmal auf das Wirtschaftssystem, dann muss ich mich der Frage stellen, mit welchem Denken habe ich mich da hinein gebracht – und schleunigst anders denken.

Als erstes würde ich mir dieses Video von Natalie Knapp anschauen. Denn diese Gesellschaft ist so, weil wir Menschen so denken. Wie aber denkt die Menschheit eigentlich? Schauen wir doch einmal genau hin: Welche Sprache ist in der Wirtschaft ganz selbstverständlich? Oder in der Politik? In der Gesellschaft? Und vielfach auch in Foren und in viel zu vielen Familien? Es ist eine ganz klare Kriegsrhetorik.

Doch warum ist das so? Weil wir fragmentiert denken. Schauen Sie sich das Video an! Dann können wir weiter darüber reden, was man tun kann, um die Menschen zu bewegen, sich damit auseinanderzusetzen. Wie gesagt, das wirkliche Problem ist weder die ökologische noch die ökonomische Situation, das sind nur Symptome. Die Frage ist, was uns so handeln lässt. Das wirkliche Problem, jedenfalls ist das meine Überzeugung, ist unser gewohntes Denken.

Solange sich das Denken nicht ändert, gibt es langfristig nur einen neuen Konflikt. Also ändern wir das Denken, vielleicht ist ja das tatsächlich die Lösung. Ich behaupte sogar, es wäre tatsächlich die Lösung!