Warum liebe ich Zen (Chan) und Physik? 

Weil sie nicht auf die Idee kommen mir zu sagen, was ich tun soll. Beim Chan muss man leider anfügen „sofern es der ursprüngliche Chan ist“. Das Selbe gilt auch für die Physik, denn die fundamentalen Fragen werden auch dort oft nicht mehr gestellt. Das einmal unterstellt, mag ich beide, denn beide Herangehensweisen predigen mir keine Moral. Und Ansprüche erheben sie auch nicht an mich. Sondern sie fordern mich „nur“ auf zu untersuchen, was wirklich ist. Aber das nicht theoretisch, sondern ganz praktisch, im alltäglichen Leben. Jedoch mit einer Einschränkung: Ohne irgendeinen persönlichen Vorbehalt. Das ist meines Erachtens nach die einzige Hürde zum Verständnis, sowohl des Chan wie auch der Physik:

Ich muss es tun, aber ohne dieses „Ich will“.

Reflektiere ich diese Gedanken ohne jegliches egoistisches Motiv, also ohne etwas erreichen zu wollen, und versenke mich in ihre Philosophie, dann finde ich darin Erkenntnisse, die mich unmittelbar ethisch handeln lassen. Ohne Moralvorschriften, ohne „Du musst“, sondern unmittelbar aus dem eigenen Verständnis des Lebens heraus. Doch das war für mich lange nicht selbstverständlich, denn das grundsätzliche Dilemma in meinem bisherigen Leben wurde mir erst nach und nach bewusst. Entweder, ich sah das Leben fragmentiert, dann handelte ich aus eigener Überzeugung und angenommener Notwendigkeit heraus ethisch oder weil man (oder ich) es mir gebot; oder aber ich sehe (heute) das Leben nicht fragmentiert, dann handle ich ethisch, ohne einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden.

In diesen Gedanken und der darauf aufbauenden Philosophie gibt es weder ein Richtig noch ein Falsch, allenfalls bei Annahmen, die einer genauen Untersuchung nicht standhalten können und selbstverständlich auch nicht, ohne das verifizierbar darzulegen. Beide, Chan wie Physik, stellen mir, übrigens im Wesentlichen übereinstimmende, Axiome über das Leben zur Verfügung. Mehr nicht. Ob ich das auch wirklich lebe, das liegt an mir selbst.

Chan und Physik sind für mich pure Ästhetik. Es sensibilisiert mich für das Wunderbare und Faszinierende in der Welt, und aus dieser Empfänglichkeit heraus entsteht eine ganz eigenes Verständnis von Wirklichkeit. Das erhebt sich aus einem selbst, aus dem eigenen Bewusstsein. Chan ersetzt Bewusstsein nicht durch Gewissen, sondern steigert lediglich das Bewusstsein – so wie auch die Physik. Chan und die moderne Physik sind beides Ego-Killer, denn man muss die Welt fragmentiert denken, sonst ist es vorbei mit dem Ego. Und exakt das läßt die Seifenblase der Illusion platzen.

Einfach so. Und das muss man lieben!