Was das Böse möglich macht?

Negative Gedanken-Mems zusammen mit Konvention und Beliebigkeit

Mems, welcher Art auch immer, bedienen sich der fehlenden Achtsamkeit und fehlenden Aufmerksamkeit eines Lebens in der Konvention, um sich unmerklich zu verbreiten. Nicht reflektierende Gedankenlosigkeit und Beliebigkeit öffnet ihnen die Tür in das eigene Denken. Ein kleines, vermeintlich unscheinbares Gedanken-Fraktal, das sich durch Unachtsamkeit und fehlende Bewusstheit wie fehlende Selbstreflexion immer weiter dupliziert, größer und größer wird und mit einem Mal so riesig geworden ist und das Denken derart infiltriert hat, dass es nicht mehr „einfach so“ aufgelöst werden kann. Exakt so hat das sogenannte Dritte Reich möglich.

Unmittelbare Kontrolle über das eigene Denken ist eine Illusion, was nicht heißt, dass wir wehrlos wären. Stete Achtsamkeit, Gewahrsein und Bewusstheit verhindern, dass solche Gedanken in ihrer Tragweite nicht bewusst und damit nicht erkannt werden und sich im eigenen Denken einnisten und vermehren können.

Ein Beispiel: Wer Auschwitz besucht, wird mit etwas Unfassbarem konfrontiert, dass doch ganz banale Wirklichkeit war: Der Banalität des Bösen. Doch nur wenige fragen sich, was Auschwitz – und nicht nur Auschwitz – möglich machte – und auch heute noch machen kann. Immer wieder. Denn die Täter damals waren ganz normale Menschen. Es ist die Aus- und Abgrenzung, womit es begann. Warum wurden etwa Sinti und Roma verfolgt? Weil viele Menschen durch diesen Lebensstil den eigenen Lebensstil in Frage gestellt sahen. 

Eine andere Lebenskultur, eine andere Lebensart. Das allein genügte, um aus Menschen, die einfach nur anders lebten, schleichend Feinde zu machen, solange, bis sie zu einer Bedrohung wurden. Keine reale, nur eine empfundene. Aber das genügte. Sich von einer letztlich destruktiven Idee nicht verführen zu lassen, ist also eine Frage der gelebten Prinzipien, der inneren Haltung, der steten Achtsamkeit und der kritischen Selbstreflexion.

Dieses Problem wird nicht dadurch gelöst, dass man Pazifist wird, der mit allem einverstanden ist. Das ist Unfug. Es geht nicht darum, alles zu tolerieren, was einem begegnet, vielmehr geht es darum, im Dialog einen gemeinsamen Konsens zu finden.