Was hat Verantwortung und Beziehung mit Ordnung zu tun?

Was und wie ich etwas verantworte, ist ein Ausdruck meiner Beziehung zu dem, um das es sich dreht. Und dem liegt eine innere, meist implizite Ordnung zugrunde. Fahre ich beispielsweise verantwortungsvoll oder verantwortungslos, dann beschreibt das meine Beziehung zu meinem Fahrzeug, zu mir selbst, zu den anderen Verkehrsteilnehmern wie zur Umwelt.

Meine Beziehung zu etwas ist Ausdruck meines spezifischen Verständnisses der in diesem Prozess beteiligten Personen. Schaue ich mich in meinem Zimmer um, dann kann ich sehr viel über mich selbst lernen. Und schaue ich mir an, wie ich auf andere reagiere, dann kann ich wieder mich selbst „sehen“ wie mein Verständnis des anderen, was ich also in ihm sehe.

Meine Beziehung zu etwas ist also geprägt von meinem Verständnis etwa meines Motorrades, was es für mich bedeutet, was ich darin sehe. Und die Wahl für das Auto, das wir uns demnächst kaufen werden, folgt unserem Verständnis davon, wie und was ein Auto zu sein hat. Dem wiederum kann ein mechanisches Bild (= Verständnis) des Autos zugrundeliegen oder eben ein komplexeres. Die Anordnung dieses Bildes, um bei dieser Metapher zu bleiben, ist Ausdruck der individuellen Ordnungsstrukturen in meinem Denken.

Bei einem Auto ist das noch nicht so tragisch, bei der Beziehung zu einem Menschen kann das aber schon recht „herausfordernd“ werden. Wenn mich ein anderer ärgert und nicht ich mich über einen anderen ärgere, dann liegen diesen Ärgern (komisches Wort, gibt es wohl auch gar nicht) ein vollkommen unterschiedliches Verständnis von mir selbst wie von dem anderen zugrunde, also ein ganz anderes Weltbild.

Die Verantwortung, die ich ich trage, definiert sich durch und über die Beziehungen, die ich habe, die sich wiederum über ein Ordnungssystem definieren, eine gedankliche Struktur, die meine Gefühle, meine Empfindungen und mein Denken prägt, also meine Psyche. Das dem zugrundeliegende Selbst- und Weltbild oder mein Selbst- und Weltverständnis kann stimmig sein oder eben auch nicht, so wie das Ordnungssystem auf meinem PC sinnvoll sein kann oder nicht. Das Ordnungssystem als solches ist es also nicht, das seine Nützlichkeit ausmacht, sondern die Stimmigkeit des zugrundeliegenden Selbst- und Weltverständnisses.

Doch woran kann ich diese Stimmigkeit messen respektive feststellen? Dass es für mich selbst stimmig ist, ist ja an sich noch kein wirklich ernst zu nehmendes Kriterium. Das Prinzip der Sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiungen lässt grüßen. Mit anderen Worten: Welchem Weltbild kann ich folgen? Ich habe mich in meinem Leben auf verschiedene Weltbilder eingelassen und sie für mich verifiziert. Ich glaube, dass das der Schlüssel für das bestmögliche Weltbild ist, jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass ich mich auf das einlassen und verifizieren, wovon ich dann später ausgehe. Auch keine Meinung mehr zu haben muss ich erst einmal kapieren, was das letztlich bedeutet und das dann auch verifizieren!

Es geht also um Verantwortung, Beziehung und Ordnung. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch je genauer ich dies betrachtet, desto klarer wird mir, dass ich zumindest erst einmal nicht wirklich etwas weiß. Doch bevor ich wieder von einer eventuell neuen Ordnung ausgehen kann, muss ich erst einmal bereit sein, mich auf dieses Nicht-Wissen einzulassen. Vielleicht der Grund, warum ich oft so beharrlich an einem einmal erworbenen Weltbild und seinen darauf aufbauenden Ordnungen und Verantwortlichkeiten festhalte, so ganz nach dem Motto „sicher ist sicher“.

Tatsächlich aber kann diese Haltung ziemlich fatal sein.