Was ich denken kann – und was nicht

Denken kann ich nur das, für das ich eine Vorstellung oder eine gedankliche Repräsentation habe. Darüber hinaus kann ich erst einmal nicht(s) denken. Dabei ist wichtig, ob ich mir eine bildliche Vorstellung oder eine rein gedankliche Vorstellung mache, ob ich mich also auf sinnhaft Wahrnehmbares reduziere oder gedanklich darüber hinausgehe. Doch woher weiß ich, dass ich bezüglich meiner eigenen Gedanken, Annahmen und Überzeugungen keinem Irrtum unterliege?

Nun, ich weiß es nicht. Wie auch? Also suche ich das Gespräch mit den Menschen, um zu verstehen, was und wie sie denken, nicht nur, um das Netz meiner Beziehungen weiter zu knüpfen, sondern auch in der Annahme, mindestens in der Hoffnung, dass ich damit zu einer neuen, weiteren Erkenntnis kommen kann. Nicht nur, dass mir eine andere Ansicht vermittelt werden könnte, oft ist es ja der besprochene Kontext, der für mich Dinge anders erscheinen lässt, einen anderen, bisher noch nicht erkannten Zusammenhang erkennen lässt, den ich vorher nicht gesehen habe und der mit den Strukturen meines bisherigen Denkens nicht verstanden werden kann.

Entscheidend und von großer Bedeutung ist, dass ich mir meines Nicht-Wissens bewusst bin, also die Grenze meines Wissens kenne und nicht darüber hinaus spekuliere, aber mich nie einfach damit begnügen oder eine mystische Erklärung dafür definieren würde, denn vor letzterem hüte ich mich, das verhindert das weitere Eindringen in noch noch nicht gedachte Gedanken und noch nicht gemachte Erfahrungen. Mich mit dem zu begnügen, was ich erfahren habe, bedeutet für mich, dass ich aufgehört hätte, wirklich zu leben. Nur indem ich die Grenze meiner Erfahrungen immer wieder auszudehnen suche, komme ich zu neuen Erkenntnissen.

Eine ganz wesentliche Rolle kommt dabei meiner Sprache zu, denn in ihr wird mein Denken offensichtlich. Spreche ich etwa davon, dass ich in einem Feld von Möglichkeiten oder in einem Feld des Möglichen lebe, dann macht alleine das einen Unterschied in meinem denken und meinem Verständnis deutlich; ganz anders ist es jedoch, wenn ich es nicht als ein Feld ansehe, sondern als nicht bestimmt, nicht definiert, also offen. Zukunft eben. Nicht anders ist es mit der Vergangenheit, die ja auch nur in meiner aktuellen Vorstellung als Erinnerung existiert. Vergangenheit und Zukunft existieren, wenn überhaupt, ja nur in meinen momentanen gedanklichen Vorstellungen und Annahmen. Für mich sind sie damit real, doch in Wirklichkeit sind sie es nicht, nur eine gedankliche Vorstellung. Doch in meinem eigenen Erleben macht dies einen gewaltigen Unterschied aus, ich lebe in einer Illusion, die ich aber für die Wirklichkeit halte.

Würde sich jeder darauf beschränken, was er in dem Moment, in dem er gerade lebt, denkt und tut, statt sich mit Dingen zu beschäftigen, die nicht mehr oder noch nicht sind und auf die er auch keinen unmittelbaren Einfluss hat, dann wäre schon sehr viel gewonnen. Was nicht bedeutet, sich keine Gedanken über die Zukunft zu machen und keine Erfahrungen aus der Vergangenheit zu ziehen, aber immer bezogen auf das eigene Denken und Handeln im Augenblick, frei von jeglicher Spekulation. Also muss ich mir immer gegenwärtig sein, ob das, worüber ich gerade spreche, sich auf das Jetzt, auf die Zukunft oder auf Vergangenes bezieht und wie dies mein konkretes Denken berührt. Dabei muss ich dabei sorgsam auf negative Äußerungen achten, unabhängig davon, ob sie sich auf mich selbst oder auf andere (was letztlich das Selbe ist) beziehen.

Das ist der Grund, warum ich in Gesprächen immer wieder die Herausforderung suche und warum ich auch gerne einmal provoziere, denn nur so kann ich mein eigenes Denken kneten und formen.