Was ich kann, das glaube ich

Und was ich nicht kann, das glaube ich auch, nur eben, dass ich es nicht kann, auch wenn ich es theoretisch könnte. Eine echte Glaubenssache. Meine Gedanken wie meine Überzeugungen sind also immer nur Gedanken, und damit meine Wirklichkeit, doch sie sind nie die absolute, objektive Wirklichkeit. Wirklich ist für mich immer nur das, woran ich glaube und was mir dann auch tatsächlich möglich ist, aber auch das, was mir tatsächlich möglich wäre, ich aber nicht für wirklich halte.

Es geht also um das Bewusstsein des (mir) Möglichen. So eine Art Propriozeption auf geistiger Ebene. Das heißt, mir meiner Möglichkeiten bewusst zu sein, auch wenn ich überhaupt nicht weiß, was mir möglich ist. Das ist wie der Unterschied zwischen Feldenkrais und Physiotherapie. In einer Studie wurde der Unterschied beider Verfahren an Arbeiterinnen der schwedischen Saab-Autowerke untersucht. Dabei stellten die Autoren fest, dass unter anderem die Entwicklung der Eigenwahrnehmung und Bewusstheit für die motorische Selbststeuerung ein massgeblichen Grund für das positive Ergebnis der Feldenkrais-Gruppe im Verhältnis zu der nur phy­sio­the­ra­peu­tisch behandelten Gruppe hatte.

Ich hätte wohl nie Feldenkrais-Übungen kennengelernt, gäbe es nicht Feldenkrais-Lehrer. Doch wie kam Feldenkrais selbst auf sein Konzeptes? Scheinbar glaubte er wie auch Bruce Lee nicht an sein Schicksal. Bei Moshé Feldenkrais waren es die kaputten Knie, bei Bruce Lee war es die Fesselung an das Krankenbett. Beiden gemeinsam ist wohl, dass sie ihr vermeintliches Schicksal nicht akzeptierten und sich darüber hinweg setzen. Und so erkannten beide auf ganz unterschiedlichen Gebieten ihre tatsächlichen Möglichkeiten, auch wenn die ihnen zu Beginn selbst nicht bekannt waren. Doch sie fanden beide eine Orientierung, an die sie sich hielten. Bei Feldenkrais war es das allen Menschen eigene und ziemlich identische Skelett, bei Bruce Lee war es die geistige Struktur des menschlichen Geistes, die er von Jiddu Krishnamurti kennenlernte.

Propriozeption einmal auf der körperlichen und zum anderen auf der geistigen Ebene. Doch das ist nichts, was man lernen oder üben könnte, das kann man beides nur praktizieren. Früher konnte ich mich nicht anziehen, ohne mich hinzusetzen – heute kann ich es, dank meines aktivierten sechsten Sinns. Wo ich früher eben glaubte etwas nicht zu können, habe ich diesen Glauben aufgegeben. Und so, wie ich meine körperliche Starrheit einfach aufgeben musste, um beweglicher zu sein, muss ich auch meine geistige Starrheit aufgeben, um komplexer denken zu können. Das Skelett dafür lieferte mir letztlich die fundamentalen Gedanken der Quantenmechanik, die ich Stück für Stück zu verifizieren begann. Derzeit knabbere ich an der Tatsache, dass Zeit nicht das ist, was die Uhr misst, sondern etwas wahrscheinlich völlig anderes. Und das hat definitiv Auswirkungen auf mein persönliches Erleben. Ich weiß nur noch nicht welches.

Wichtig ist, dass man in der Umsetzung lernt, seinen eigenen Weg zu gehen und eben keinem Konzept zu folgen. Wir alle haben als Menschen die gleiche Ausgangsbasis, und zwar wirklich alle. Diese Basis ist nicht etwa der Körper, denn das ist schon eine Manifestation, eine Manifestation eines auf Information beruhenden Gedanken. Das ist die Idee des Kosmos, wie sie uns John A. Wheeler von der Universität Princeton präsentiert. Und das hat wirklich etwas. Ich merke immer mehr, dass es letztlich die verfügbaren Informationen sind, die mein Leben gestalten.