Was ich nicht mehr ignorieren sollte

Oder darf ich es überhaupt nicht mehr ignorieren? Gerade habe ich in einem Podcast auf GEO gehört, dass sich Dünen (Sanddünen!) untereinander verständigen und sich miteinander arrangieren. Und wenn ich dann hinzunehme, dass Pflanzen, so wie auch Tiere miteinander kommunizieren, nur eben ganz anders, dann sehe ich in unserer menschlichen Kommunikation ein Problem, jedenfalls solange, wie wir sie auf das reduzieren, was wir gemeinhin unter Kommunikation verstehen.

Das macht aktuell das Corona-Virus sehr deutlich, wie ich finde. Das Virus ist da, keine Frage, und was es bewirkt, das können wir überhaupt noch nicht wissen. Also sollte man sich mit Spekulationen zurückhalten. Oder noch besser gleich ganz lassen. Von daher bin auch ich ein absoluter Befürworter von Vorsicht, auch wenn mich das in meinen Bewegungsraum einschränkt. Aber der Respekt vor der Gesundheit anderer gebietet mir das. Etwas ganz anderes ist es, wie ich mich gegen eine Infektion zu wappnen suche. Und was ich denke, warum dieses Virus überhaupt aufgetaucht ist.

Die Schwierigkeit ist nur, dass ich da meist nur spekulieren kann. Andererseits haben wir mittlerweile Erkenntnisse, die uns nachdenklich machen und uns veranlassen sollten, einmal über unseren Tellerrand hinauszudenken. Mit anderen Worten: Ich muss endlich aufhören, die Dinge nur linear zu sehen, ich muss sie zwingend als ein komplexes System sehen. Und der Virus existiert, weil er den Nährboden dafür gefunden hat.

Ich habe eine Textdatei mit Gedanken aus dem Buch von Natalie Knapp zur Quantenmechanik. Der Titel lautete bis jetzt „Was wir von der modernen Physik lernen können.“ Ich habe ihn gerade umbenannt in „Was wir von der modernen Physik lernen müssen.“ Vielleicht öffnet mir das den Weg, um meine wahrscheinlich noch immer verstopften, natürlichen Kommunikationskanäle wieder frei zu bekommen. Ich habe es kürzlich wieder erlebt, als ich an einer Aufstellung teilnahm beziehungsweise selbst aufgestellt hatte.

Da waren mit einem Mal Informationen verfügbar, die sonst irgendwie hinter Schloß und Riegel eingesperrt sind und sich nur noch über ein Symptom bemerkbar machen konnten – bei mir selbst. Und weil mir genau diese Informationen weitergeholfen haben, stellt sich mir die Frage, ob ich nicht dauerhaft und ohne Umwege an diese Informationen kommen kann. Da wäre zum einen das dialogische Gespräch, zum anderen hieße das, die Konvention zu verlassen, denn die verhindert den wirklichen Dialog. Genau das passiert in Aufstellungen, man begegnet dem anderen ohne Konventionsfilter, also direkt, offen und unmittelbar.

Mittlerweile passiert mir das öfters beziehungsweise wird es mir immer öfter bewusst, dass ich auf diese Weise kommuniziere, am ehesten mit meinem Enkel Paul, die anderen beiden sehe ich zu selten. Aber auch bei Erwachsenen ist manchmal einfach eine solche Information da, genau wie in einer Aufstellung. Doch meist nur dann, wenn der andere gerade nicht seine Konventionsschutzschilde hochgefahren hat und ich auf Empfang bin. Für mein Empfinden hat das eine Menge Parallelen zu einem Flow-Zustand – ich ‚weiß einfach’, was Sache ist, ohne zu wissen, warum und weshalb ich es weiß. Und erklären kann ich es auch nicht, nur beschreiben.

Das ist vielleicht die große Schwierigkeit, man kann es nämlich noch nicht wirklich verstehen. Vielleicht kann man das auch nie, nämlich verstehen. Bei beidem, sowohl bei der Aufstellung wie im Flow-Zustand, kann ich die dort gemachte Erfahrung nicht erklären, ich kann sie allenfalls beschreiben. Doch bei beiden Zuständen geht zwingend eine spezifische mentale Haltung und Einstellung voraus, bei der Aufstellung wie beim Motorrad-Flow. Doch was ist diese Haltung, wie kann ich sie beschreiben? Es ist die Bereitschaft, mich darauf einzulassen, nicht diskutieren zu wollen, nicht wissen zu wollen, sondern mich ganz einfach in den Geist versenken. So würde es wahrscheinlich ein Zen-Mensch ausdrücken.

So sind auch Atome an sich keine Dinge. Seine Bedeutung gewinnt ein einzelnes Teilchen immer nur in Beziehung mit dem Ganzen. Versucht man zu beschreiben, was ein einzelnes Elementarteilchen eigentlich ist, versagt unsere Sprache. Und daran müssen wir, muss ich mich endlich gewöhnen, dass die erst in und durch die Beziehung zu einander und zum Ganzen ‚entstehen’. Und die einzige Art, dies zu erfahren, ist eben sich einzulassen und mich in den Geist zu versenken.

Doch dieses ‚Mich-Versenken‘, das kann ich üben im Sinne von nicht-üben, indem ich mir entsprechende Rahmenbedingungen schaffe.