Was ich will und was ich nicht will

Ich will mich wohlfühlen und nichts Negatives erleben. Ganz klar. Doch warum mache ich dann Dinge, die mir nicht gut tun? Auf diese Frage brachte mich die Katze eines Freundes. Wir unterhielten uns darüber, wie sorgfältig er ihr Futter aussucht, damit sie gesund ernährt wird und wie sie dank dieser Ernährung regelrecht vor Energie strotzt. Und im gleichen Moment stand die Frage im Raum, weshalb ich selbst das nicht genauso tue.

Dabei ist die Antwort ganz einfach. Weil mir meine spezifische Art mich zu ernähren ein ganz klares Wohl-Gefühl gibt. Das ist leider nicht das Wohlgefühl, das ich haben könnte, wenn ich mich gesund ernähren würde. An der Schokolade komme ich noch immer nicht vorbei, einfach deshalb, weil da noch immer eine Konditionierung am Arbeiten ist, die mir ein gutes Gefühl gibt, wenn ich mir eine Tafel Schokolade rein drücke. Klar sind meine Eltern dafür verantwortlich, weil Schokolade das Trostpflaster meiner Kindheit war und mir immer das wohlige Gefühl des Geborgenseins gab, wobei eine schlichte Zuwendung es vielleicht auch getan hätte.

Nun sind meine Eltern ja beide schon gestorben, also hilft es mir nicht, wenn ich mir sage, dass sie daran schuld sind. Und ganz unabhängig davon würde es auch nichts nützen, denn ich bin 68, also ist es so um die 66 Jahre her, dass sie daran etwas hätten ändern können. Bringt also überhaupt nichts. Doch Rettung ist in Sicht. Ich kann meinen Verstand an- und einschalten und mir klar machen, dass das eine ziemlich bescheuerte Konditionierung ist, die ich schleunigst auflösen sollte. Doch dafür muss ich mir erst einmal bewusst sein, wann die Schokoladenkonditionierung überhaupt anspringt. Das sind Gefühle, die ich nicht mag und die ich absolut nicht haben will und ich daher unbedingt ein Trostpflaster brauche. Aber das ist noch nicht die Lösung, denn ich müßte mich ganz konkret mit den Situationen auseinandersetzen, die solche Gefühle auslösen. Wer weiß, vielleicht lassen sie sich ja vermeiden oder ganz einfach reframen und ich bräuchte gar keine Schokolade mehr? Einfach mal darüber reden und Klarheit bekommen, was da in mir abläuft und dann eine gehirnkonforme Lösung finden.

Dann könnte ich mich der nächsten und auch leider offensichtlicheren Baustelle widmen, meiner Unordnung. Kaum zu glauben, dass mir die Unordnung um mich herum ein Wohlgefühl gibt. Denn wäre das nicht so, dann täte ich es ja nicht. Gestern ist mir wieder eingefallen, dass es mir schon immer schwer viel, mich zu entscheiden. Die Dinge mussten reifen, bis ich mich endlich entscheiden konnte. Nur, dass sie dann leider auch schon mal faulig geworden waren. Dummerweise ist das leider immer noch so, zwar nicht mehr ganz so schlimm wie früher, erträglicher, aber es ist noch ansatzweise da. Es wirkt, als hätte ich eine Roststelle an meinem Motorrad nicht beseitigt, sondern nur mal schnell das Gröbste weggeschmirgelt und ein bisschen darüber gemalt. Also habe ich diese Konditionierung noch immer nicht sauber geklärt, nur oberflächlich.

Nachdem mich das schon lange stört, ich diese Konditionierung aber noch immer habe, stellt sich die Frage, ob das klären zu wollen die zielführende Frage oder der richtige Lösungsansatz ist. In den Mediationen, die ich gemacht habe, habe ich den Parteien immer aufgegeben, sich erst einmal über die Lösungsstrategie zu verständigen. Die Erfahrung war nämlich, dass dann der Streit blitzartig vorbei war, sobald über die Lösung Einigkeit bestand. Also sollte ich auch hier zuerst einmal meinen Lösungsansatz überprüfen? Das sichtbarste und wahrscheinlich auch am Leichtesten zu lösende Problem ist klar: Unordnung. Die Lösung ist zweifelsfrei eine durchdachte Ordnung und nicht etwa zu wissen, weshalb ich unordentlich bin. Doch da grinst schon die nächste Konditionierung fett und breit: Meine fehlende Entscheidungsfreudigkeit. Oder doch eher Entscheidungsfähigkeit? Egal, wenn ich es recht bedenke, gibt es auch dafür eine klare Lösung, vorausgesetzt, es ist klar, was richtig ist: Machen.

Also ganz einfach Ordnung machen und die inneren Ausreden stecken lassen. Wenn ich es recht bedenke, steckt da ein interessantes Lebenskonzept drin. Ich müsste mir eigentlich nur alle meine schlechten Konditionierungen aufschreiben. Damit das nicht zu unangenehm wird, kann ich mich ja damit trösten (nicht mit Schokolade!), dass ich ja nichts dafür kann. Doch da mir das nicht weiterhilft, irgend jemandem die Schuld zuzuweisen, ändere ich es eben selbst. Also mich. Dazu brauche ich nur eine Auflistung der Dinge, wie ich nicht mehr sein will. Ich kümmere mich nicht um meine Konditionierungen, sondern um das, wo sie sichtbar werden. Und dann ändere ich das. Und für die zukünftig zu treffenden Entscheidungen wird mir auch noch eine Strategie einfallen, die mich aus der Konditionierung meiner Entscheidungsunfreudigkeit löst. Meiner Entscheidungsunfreudigkeit, nicht „der“ Entscheidungsunfreudigkeit an sich. Solche Dinge sehr, sehr persönlich zu nehmen hilft ungemein.

Fühlt sich nicht einmal anstrengend an, sondern sogar richtig gut!