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Was ist wirklich wirklich?

Meine Enkel, aktuell 4, 6 und 8 Jahre alt, sind genau genommen weiter als ich. Was ich erst wieder lernen muss, können sie. Einfach so. Sie leben, zumindest beim Spielen, noch ganz in ihrer Gedankenwelt. Fantasiewelt sagen wir Erwachsenen schnell dazu. Doch als Fan von ‚Matrix‘ und ‚Krieg der Sterne‘ beneide ich sie regelrecht um ihre Vorstellungskraft.

Sie sind in ihrem Vorstellungsvermögen noch nicht vollkommen durch und mit ihrer Begriffswelt fixiert, so wie es viele Erwachsene sind. Und genau das ist die Schwierigkeit in unserem Leben – und vielleicht auch die Herausforderung, wieder aus der Welt der Begriffe zurück in die Welt des Geistes zu finden.

Natürlich existieren all die Begriffe, mit und durch die wir Wirklichkeit zu erkennen suchen auch nur in unserem (?) Geist. Nur bei meinen Enkeln fließen die Gedanken frei wie Wasser, bei mir verhalten sie sich wohl eher so wie Schnee. Jedenfalls hoffe ich, dass sie sich nicht wie Eis verhalten. Ob Wasser, Schnee oder Eis, all das besteht aus H2O, nur eben in einem anderen Aggregatzustand.

Geist ist wie H2O ein reines Potential, das noch keine Substanz hat. Die gewinnt es erst dann, wenn Geist wie H2O sich real manifestieren, sie also Gestalt annehmen, eben fest, flexibel oder auch etwas dazwischen. Das heißt, will ich die Wirklichkeit erkennen, habe ich erst einmal eine gedankliche Herausforderung zu lösen. Ich muss mich nämlich von all meinen gedanklichen Begriffen lösen, um im Geist anzukommen.

Die spannende Frage ist nur: Wie komme ich dort hin? Das ist für meine Enkelsöhne einfach wie zu spielen; ich müsste es einfach nur tun. Ich vergleiche das auch gerne mit dem Motorrad fahren. Klar weiß ich, dass ich den Lenker nur locker halten darf, aber niemand kann mir erklären, was ich tun muss, um das zu erreichen. Das mache ich eben – oder leider auch nicht.

So ist es auch mit den Begriffen und dem Denken. Ich muss sie ganz locker, aber keinesfalls festhalten. Erich Fromm hat das Gegenteil davon in diesem Gedanken wunderbar auf den Punkt gebracht:

Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass das Bild, das ich von mir selbst habe, zum größten Teil ein künstliches Produkt ist und dass die meisten Menschen – ich schließe mich nicht aus – lügen, ohne es zu wissen? … Wenn ich nicht fähig bin, die unbewussten Aspekte der Gesellschaft, in der ich lebe, zu analysieren, kann ich nicht wissen, wer ich bin, weil ich nicht weiß, in welcher Hinsicht ich nicht ich bin.

Es gibt einen Zustand, in dem wir tatsächlich im Geist verweilen, also nicht in der Welt der Begriffe und der Gedanken – und das ist der Flow. Nur kann ich in diesen Zustand nicht kommen wollen, ich kann es nur sein, nicht machen. Manchmal passiert mir das beim Spielen, manchmal auch beim Kochen oder in Gesprächen und – mein Lieblingsbeispiel – beim Motorradfahren. Sobald ich es aber will, ist es unerreichbar.

Kochen ist nicht Ihre Stärke? Und Motorradfahren ist auch nicht so Ihr Ding? Dann spielen Sie doch!

Published inAllgemeines