Was läuft schief in der Welt der Menschen?

Das vordergründige „Problem“ ist in meinen Augen, dass wohl die meisten Menschen andere oder auch die Umstände für das verantwortlich machen, was gerade schief läuft, nicht jedoch eine (Mit-) Verantwortung bei sich selbst in Betracht ziehen. Die permanenten, regelmäßig wechselseitigen Schuldzuweisungen helfen nicht wirklich, denn das Problem ist ein grundlegendes Problem. Tatsächlich handeln die Menschen als ein System, als eine Einheit. Wenn man sich der Frage stellt, was in der Welt der Menschen schiefläuft, liegt die Lösung bei ziemlich allen.

Fest steht, dass wir Menschen gerade eine Menge Probleme haben, doch anders als die übrige Natur bei ihren Problemen bekommen wir es nicht hin, eine Lösung zu generieren. Gibt es in einem Gebiet etwa zu viele Wölfe, was machen die? Sie bekommen einfach weniger Junge. Die Natur ist ein perfekt ausgewogenes System, das interne Schwankungen genauso perfekt ausgleichen kann. Nur wir Menschen können das scheinbar nicht mehr. Doch warum ist das so?

Der aufmerksamen Leserin und dem aufmerksamen Leser ist sicher nicht entgangen, dass ich in dem obigen Absatz nicht geschrieben habe „eine Lösung zu finden“, sondern „eine Lösung zu generieren“. Ich bin mittlerweile absolut davon überzeugt, dass wir keine Lösung finden können, doch das bedeutet nicht, dass wir keine Lösung generieren könnten. Es liegt also nicht am Können sondern an der Tätigkeit an sich, nämlich finden oder generieren. Nur wir müssten die Bedingungen dafür schaffen, dass es (wieder) möglich ist.

Wenn ich etwas an meinem Moped reparieren will und mir ist eine Schraube runtergefallen, dann muss ich die wiederfinden, ganz klar. Oder eine neue kaufen; jedenfalls werde ich sie nicht durch meine Geisteskraft generieren können. Und genau so gehen wir auch mit den aktuellen Problemen auf der Welt um. Wir wollen die Lösung finden, sie uns ausdenken. Doch genau das geht nicht, was wir ja gerade merken. Und es ein wenig angestrengter zu versuchen wird auch nicht weiterhelfen, da bin ich mir sehr sicher.

Wölfe „wissen“ genau, wieviele Wölfe ein bestimmtes Gebiet verträgt. Menschen wissen so etwas nicht, also bezogen auf Menschen, nicht auf Wölfe, daher durften sie in China nur noch ein Kind pro Ehepaar bekommen, es sei denn, sie waren wohlhabend und konnten sich die Erlaubnis kaufen, ein zweites zu bekommen. Mittlerweile haben sie aber mitbekommen, dass das auch nicht so richtig funktionierte, denn die Menschen wurden im Schnitt einfach zu alt. Wir Menschen machen es also anders als Wölfe, nämlich überlegt. Und das geht bei den Themen, die unser Leben betreffen, schlicht und einfach in die Hose.

Doch was machen die Wölfe besser als wir Menschen? Nichts, doch sie verfügen über einen Regelmechanismus, genannt Selbstorganisation. Diese Funktion regelt das, eine Funktion, die wir Menschen jedoch lahmlegen. Durch unser Denken. Eine der Eigenschaften der Selbstorganisation ist nämlich, dass man sie nicht wollen kann. Sie passiert nur dann, wenn man sie in Ruhe werkeln lässt und sich nicht einmischt. Und genau das fällt der Menschheit so verdammt schwer.

Die Menschen haben tolle Dinge erfunden, wunderbare Mechanik. Doch sie waren derart begeistert von ihrer Technik, dass sie anfingen zu glauben, dass man damit auch die Lebensprozesse managen könnte. Ja, das könnte man wirklich glauben, dass das der Grund wäre. Aber es stimmt leider nicht, denn das Problem der Menschen fing schon viel früher an. Es war das, was letztlich die technischen Erfindungen erst möglich gemacht hat. Der Mensch erlebte sich nämlich irgendwann als etwas von allem anderen Getrenntes. Mit anderen Worten: Das „Ich“ war geboren. Damit fing es an.

Die Tatsache, dass die Menschen in der Konvention eine Maske tragen, Honne nennen das die Japaner für das innere und Tatemae für das äußere (Er-) Leben, ist der Ausdruck und gleichermaßen die Akzeptanz (!!) dieser gesellschaftlichen Schräglage, der Trennung von Dingen, die „eigentlich“ zusammengehören. Wie kann denn mein privates von meinem beruflichen Leben getrennt sein und dafür unterschiedliche Regeln gelten? Das kann einfach nicht sein. Das haben viele junge Menschen in den 68ern erkannt und auch heute erkennen das viele; doch die entscheidende Frage bleibt: Erkennen sie auch die Ursache und nicht nur das Symptom?

Die Quantenphysik führt uns in eine Sicht der Wirklichkeit, in der die scheinbar „objektive“ Wirklichkeit da draußen und die angeblich rein „subjektive“ Erfahrung „hier drinnen“ untrennbar miteinander verwoben sind und letztlich eins sind. Diese Einheit gedanklich zu trennen ist genau das Problem, in dem die Menschheit steckt. Doch erfreulicherweise haben wir das Wissen über die kleinsten Bausteine der Materie und wir haben das ganz praktische Wissen darüber, wie die Einheit von Innen und Außen realisierbar ist. Das ist nämlich ziemlich einfach. Man braucht zum einen Wissen über die Zusammenhänge dessen, was man tun will, man muss dieses erst noch externe Wissen zu wirklich implizitem Wissen gemacht haben (was leider sehr oft übersehen wird) und man muss, wenn man es denn tut, sein „Ich“ zu Hause lassen. Wir nennen das auch den Zustand des Flow. 

Würden wir in diesem Zustand leben, wäre alles gut. Nicht des Flow wegen und der damit einhergehenden tollen Gefühle, sondern weil in diesem Zustand Selbstorganisation möglich ist. Daher genügt es nicht nur zu wissen, dass die Welt Eins ist, es muss auch zu implizitem Wissen geworden sein. Hat man das erreicht, ist es auch ziemlich leicht, das „Ich“ zu verabschieden.