Weihnachtszeit, die Zeit unerfüllter Erwartungen.

Als ich noch als Rechtsanwalt arbeitete, fuhr ich nach Weihnachten nie in Urlaub, denn nach den Feiertagen kamen ganz viele neue Mandate. Es war oder ist noch die fette Zeit für einen Anwalt. Traurig, aber wahr.

In der Weihnachtszeit spielen viele Menschen heile Gesellschaft, was sie aber nicht ist. Und an diesem Widerspruch scheitern dann einige, bevor sie wieder in den normalen Alltag zurückgefunden haben. Statt dass wir als Gesellschaft einmal innehalten und uns fragen würden, wie wir eigentlich miteinander umgehen, wie wir uns zueinander in Beziehung setzen.

Schon vor geraumer Zeit hat das Erich Fromm auf den Punkt gebracht, als er sagte, dass die Normalsten die Kränkesten und die Kranken die Gesündesten seien. Und gerade in dieser weihnachtlichen Zeit wird der messianische Gedanken lebendig, der sich durch unsere ganze Kultur zieht: Die Welt wird erlöst werden, nicht durch Katastrophen, sondern in einer großen Weltverbesserung.

Und das steckt in vielen, nicht bewusst, aber unbewusst. Doch die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Und Weihnachten ist eben der Kulminationspunkt dieses eklatanten Widerspruch zwischen den Hoffnungen vieler und der Realität, mit der sie sich in ihrer Vorstellung abzufinden haben.

Doch das glaube ich nicht, dass man sich mit der Gesellschaft abfinden muss, so wie sie ist. Man müsste nur einmal beginnen, einen Konsens zu suchen. Für Jürgen Habermas war klar, dass die menschliche Vernunft keine isoliert ausgeübte Fähigkeit ist, sondern das Resultat kooperativer Kommunikation.

Das sollten wir ernsthaft praktizieren und uns nicht die jeweiligen Meinungen um die Ohren hauen. Aber ohne Konjunktiv, ohne „müsste“ oder „sollte“.

Vielleicht schauen Sie sich einmal dieses Video an.